Der faire Ball bringt was ins Rollen
- Porträts von Ballnäherinnen und Ballnähern aus
Pakistan –
Das Nähen der fairen Bälle für die GEPA hat bereits
Einiges bewirkt im ganz persönlichen Leben der Ballnäherinnen
und – näher.
Lesen Sie hier die Geschichten von Misbah,
Sabur, Rahila,
Shabnam, Roma und Zahida
- alle sind Näher und Näherinnen aus dem pakistanischen
Sialkot.
Portät: Misbah
Ikram
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Misbah in der Vorschule von Gillan
Chak
Bildnachweis:
GEPA / Oliver Soulas |
Als Misbah Ikram 18 Jahre alt war, begann sie als Näherin.
In Gillan Chak, einem kleinen Dorf bei Sialkot, nähte sie Fußbälle
für unseren Handelspartner Talon Sports. Misbah Ikram trägt
Schleier und ein langes rotes Kleid. Beim Gehen zieht sie ein Bein
nach – eine Folge der Kinderlähmung.
Als sie 23 Jahre alt war, übernahm sie in der Näherei
in Gillan Chak die Vorschule. Seither unterrichtet sie 50 Kinder
ab dem Alter von dreieinhalb Jahren. Einen Raum weiter sitzen die
Mütter dieser Kinder und nähen Fußbälle.
Als Misbah Ikram 29 Jahre alt war, nahm sie einen Kleinkredit
auf. Die „Fair Trade Workers Welfare Society“ bewilligte
ihr 20 000 Rupien, das sind rund 284 Euro. Mit diesem Darlehen richtete
Familie Ikram eine bescheidene Werkstatt ein: Der Vater kaufte eine
Bohr- und eine Schleifmaschine, gemeinsam mit Misbahs Bruder und
Onkel baute er eine Esse neben dem schmalen Schuppen. Hier schmieden
die drei Männer große Schneiderscheren. Dank der Schmiedewerkstatt
können sich die Ikrams drei Büffel leisten, deren Milch
die Großfamilie ernährt.
Porträt Mishba Ikram zum Herunterladen (PDF-Dokument, 6 KB)
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Portät: Rahila
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| Rahila hat eine Botschaft für
die Menschen in Deutschland: „Kauft mehr faire Fußbälle,
damit es hier mehr Familien so gut geht wie uns!“ |
Rahila ist 40 Jahre alt und eine geachtete Person in ihrem Dorf.
Zu ihr kommen die Frauen vor allem, wenn es Probleme bei der Arbeit
gibt. Eine der am häufigsten gestellten Fragen ist, ob die
Aufträge für GEPA-Bälle gerecht aufgeteilt werden.
Denn wer einen Ball der Qualität B näht, auf dem „Fair
pay, Fair play“ steht, erhält 74 % mehr, also 47 statt
27 Rupien – kein Wunder, dass die fairen Bälle heiß
begehrt sind.
Rahilas Tag beginnt morgens um 5 Uhr mit der Zubereitung des Frühstücks
für ihre acht Kinder und ihren Mann und endet spät abends,
wenn alle gegessen haben und Rahila die erste Pause des Tages machen
kann. Gemeinsam mit ihrer ältesten Tochter näht sie für
Talon Sports in einem Frauennähzentrum Bälle.
Dass Rahila für Talon Fußbälle näht, erwies
sich als Glücksfall für die Familie. „Talon ist
einer der besten Arbeitgeber in der Region“, sagt sie.
Dank der Zusammenarbeit mit der GEPA bietet Talon seinen Arbeitern
weit mehr als der pakistanische Durchschnittsfabrikant. So gibt
es eine kostenlose Gesundheitsvorsorge für alle Arbeiter und
ihre Familien. Rahilas Sohn Saha besucht im Nähzentrum eine
kleine Vorschule, wo er schon mal Zählen und das ABC auf Urdu
und Englisch lernt.
Porträt
Rahila zum Herunterladen (PDF-Dokument, 489 KB)
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Portät: Roma
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| Mit dem, was Romas Fußbälle
einbringen, ist der Schulbesuch für die jüngeren Geschwister
gesichert. |
Romas Hände fliegen. In jeder Hand hält sie eine Nadel,
gleichzeitig stößt sie die gegenläufg durch die
vorgestanzten Löcher und zieht den Faden mit einem Ruck fest.
Dabei lacht und scherzt sie mit ihren Nachbarinnen, die ebenfalls
Fußbälle nähen. Doch was so leicht aussieht, erfordert
eine Menge Übung und Konzentration, denn die Löcher zu
treffen ist ganz schön knifflig. Für ihren ersten Ball,
erinnert sie sich, hat sie noch über zwei Stunden gebraucht.
Jetzt schafft sie es in knapp eineinhalb Stunden die 32 Kunstlederstück
zu einem Ball zusammen zu fügen.
Auch wenn die Arbeit manchmal etwas eintönig ist - Roma weiß
genau, warum sie jeden Tag hier hin ins Frauennähzentrum im
Dörfchen Gillan Chak bei Sialkot in Pakistan kommt: Mit den
Fußbälle, die sie näht, finanziert sie den Schulbesuch
ihrer Geschwister. Roma ist die älteste Tochter der Familie,
und damit kommt der 21jährigen eine besondere Verantwortung
zu. Ihr Vater verdient als Schmied zwar genug um seine Familie zu
ernähren. Doch um auch noch Schuluniformen, Hefte und Bücher
für Romas vier Schwestern und vier Brüder zu bezahlen,
dazu reicht sein Einkommen nicht.
Fußbälle zu nähen, das ist eigentlich eine schlecht
bezahlte Arbeit. Doch Roma hat Glück: Ihr Arbeitgeber Talon
stellt auch die Fußbälle für die GEPA her. Und jedes
mal, wenn Roma einen Ball zusammen näht, auf dem das GEPA-Logo
steht, bekommt sie fast das Doppelte von dem, was sie üblicherweise
mit einem Ball verdient.
Roma hofft, dass sich so der Traum ihrer Familie erfüllen
wird: Ihre Geschwister sollen einmal Ärzte, Lehrerinnen und
Manager werden.
Porträt
Roma zum Herunterladen (PDF-Dokument, 84 KB)
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Portät: Sabur
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| „Wenn ich nur noch faire Fußbälle
nähen würde, dann wäre ich ein reicher Mann“
sagt er, und hofft, dass auch in Zukunft viele Aufträge
von der GEPA kommen. |
Seit er 15 Jahre alt ist, näht Sabur Fußbälle.
Und da ist nicht der einzige in seiner Familie. Auch seine Frau
und sein ältester Sohn nähen Fußbälle, und
mit den drei Einkommen kann die neunköpfige Familie so gerade
eben überleben. Für kleine Extras reicht es aber trotzdem
kaum. Beim letzten Id al-Adha, dem islamischen Opferfest, musste
er sich Geld leihen, um seine Familie so, wie es der Brauch an diesem
wichtigen religiösen Fest will, neu einkleiden zu können.
Und an das traditionelle Festessen wäre ohne ein kleines Darlehen
auch nicht zu denken gewesen.
Aber Sabur hat Glück, denn es ist allgemein bekannt, dass
er bei Talon arbeitet und so immer wieder faire Fußbälle
nähen darf. Dann verdient er fast doppelt soviel wie normalerweise,
und das macht ihn kreditwürdig.
Letzten Monat zum Beispiel, da waren 80 Prozent der Bälle die
er nähte, für die GEPA und Sabur konnte auf einen Schlag
all sein Schulden zurück bezahlen.
Porträt
Sabur zum Herunterladen (PDF-Dokument, 114 KB)
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Portät: Shabnam
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| All das Geld, das sie bei Talon mit
dem Nähen von Fußbällen verdient, fließt
in ein ehrgeiziges Projekt ihrer Eltern: ihr Haus mit fließend
Wasser und Strom zu versorgen |
Eigentlich wäre Shabnam gerne Modedesignerin geworden. Abends,
wenn sie vom Fußball nähen nach Hause zu ihren Eltern
kommt, schneidert sie immer noch nach eigenen Entwürfen ein
paar Kleider für die Nachbarinnen.
Überhaupt hat Shabnam die selben Träume wie alle 19jährigen
Mädchen auf dieser Welt: Hübschen Schmuck und Make-up
hätte sie gerne, um vielleicht einmal so schön auszusehen
wie Nasiba, ihre Lieblingssängerin. Oder einen Walkman, damit
sie während der Arbeit Musik hören kann.
Doch an all das ist nicht zu denken. All das Geld, das sie bei
Talon mit dem Fußballnähen verdient, fließt in
ein ehrgeizige Projekt ihrer Eltern: Ihr kleines Haus soll endlich
fließend Wasser und Strom bekommen, damit ein Ventilator gegen
die Hitze angeschafft werden kann und das Wasser nicht immer vom
Brunnen geholt werden muss. Und weil Shabnam auch immer wieder faire
Fußbälle nähen kann, für die sie fast doppelt
soviel Lohn erhält, könnte dieser Traum tatsächlich
bald Wirklichkeit werden.
Porträt
Shabnam zum Herunterladen (PDF-Dokument, 126 KB)
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Portät: Zahida
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| Tagsüber, wenn Zahida Fußbälle
näht, sitzt ihr Mann hinter dem Tresen und verkauft den
Bewohnern des Dorfes Gillan Chak bei Sialkot Kartoffeln und
Gemüse, Abends und am Wochenende kümmert sie sich
selber um ihr Unternehmen. |
Zahida ist die Herrin über ein kleines Reich, in dem es all
das gibt, was man in Pakistan für das tägliche Leben braucht:
Tee und Henna, Eier und Waschmittel, Mehl und bunte Bangles, wie
die Armreifen hier genannt werden.
Zu verdanken hat die 50jährige diesen Reichtum den Fußbällen.
Aus den Mehreinnahmen, die Talon dank der Aufträge der GEPA
für fair gehandelte Bälle hat, werden Kleinkredite an
Näher vergeben. Vor drei Jahren hat sich Zahida um so einen
Kredit von 20.000 Rupies, etwa 280 Euro, beworben um ihren Laden
einzurichten.
Der Laden läuft gut – der Kredit ist längst zurück
gezahlt und das Geschäft wirft genug ab, damit die Familie
ihre sechs Töchter und den Sohn zur Schule schicken kann.
Es bleibt sogar etwas für Investitionen übrig: Vor kurzem
hat Zahida eine Kühltruhe gekauft. „Etwas so luxuriöses
wie gekühlte Getränke gab es in dem kleinen Dorf bis lang
nicht“ sagt sie stolz.
Porträt
Zahida zum Herunterladen (PDF-Dokument, 164 KB)
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