So entsteht Fair Trade-Darjeelingtee

Foto: Thomas Rensmann

Reiseblog von
Thomas Rensmann

Thomas RensmannIm August 2015 hatte ich die Gelegenheit, den GEPA-Teepartner TPI in Indien zu besuchen. Mehr über den Alltag in Samabeong, welche Aufgaben Männer bzw. Frauen übernehmen und wie fairer Bio-Tee entsteht, lesen Sie hier im dritten Teil meines Reiseblogs. Mehr über mich und meine Reise erfahren
Sie hier

 

Etwas Teewissen

Die Teepflanze ist eigentlich ein Baum, der Blüten und danach Früchte trägt, die wie Nüsse aussehen – diese sind jedoch nicht essbar. Bis zu sechs Meter hoch kann der Baum werden, doch um die Ernte zu erleichtern, wird er alle vier bis sechs Jahre stark zurückgeschnitten. Für die Teeproduktion pflücken die Arbeiterinnen die jungen Blätter in Abständen von sieben bis zu 15 Tagen.

Wie Nüsse sehen die Früchte des Teebaumes aus. Essen kann man sie jedoch nicht. Foto: Thomas Rensmann
Wie Nüsse sehen die Früchte des Teebaumes aus. Essen kann man sie jedoch nicht. Foto: Thomas Rensmann

So sieht der Arbeitsalltag aus

Im Teegarten sind die Frauen in Gruppen von etwa 20 Pflückerinnen organisiert, die von einem „Supervisor“ beaufsichtigt werden. Dieser bekommt täglich die Anweisungen des Managers, der bestimmt, wo an diesem Tag gepflückt werden muss. Wie ich selbst versucht habe Tee zu pflücken, können Sie in Teil 1 nachlesen.

Mit einer lauten Sirene beginnt morgens um sieben Uhr der Arbeitstag. Nach den ersten vier Stunden Ernte tragen die Frauen die Blätter in handgeflochtenen Körben zu einer der Sammelstellen. Dort werden die Blätter gewogen und anschließend in Jeeps zur Fabrik gebracht. Nach einer Stunde Pause gehen die Arbeiterinnen zurück aufs Feld, bis um 16 Uhr die Ernte des Nachmittags eingesammelt wird. Acht Stunden beträgt also die reine Arbeitszeit. Anschließend laufen die Frauen noch bis zu eine Stunde nach Hause, die meiste Zeit bergauf.

Im Teegarten sind die Frauen in Gruppen von etwa 20 Pflückerinnen organisiert. Foto: Thomas Rensmann
Im Teegarten sind die Frauen in Gruppen von etwa 20 Pflückerinnen organisiert. Foto: Thomas Rensmann
Die Männer kümmern sich um das Unkraut und entfernen es mit Sicheln. Foto: Thomas Rensmann
Die Männer kümmern sich um das Unkraut und entfernen es mit Sicheln. Foto: Thomas Rensmann
Die Pflückerinnen haben ihren Tee an der Sammelstelle abgegeben, einige machen Mittagspause. Foto: Thomas Rensmann
Die Pflückerinnen haben ihren Tee an der Sammelstelle abgegeben, einige machen Mittagspause. Foto: Thomas Rensmann
Die Frauen laufen bis zu eine Stunde durch die Berge nach Hause. Foto: Thomas Rensmann
Die Frauen laufen bis zu eine Stunde durch die Berge nach Hause. Foto: Thomas Rensmann

„Was es beim Teeanbau alles zu beachten gibt, konnte ich mir vor der Reise nicht vorstellen.“ — Thomas Rensmann

Teeanbau bleibt Handarbeit

Vor meinem Besuch konnte ich mir nicht vorstellen, was es beim Teeanbau alles zu beachten gilt. Besonders im Bio-Anbau benötigen die Pflanzen viel Pflege. 

Öfters habe ich mich gefragt, ob man nicht kleinere Maschinen wie zum Beispiel eine Art Rasentrimmer oder Ähnliches einsetzen könnte, damit das Unkrautjäten einfacher zu erledigen ist. 

Typische Häuser auf Samabeong Foto: Thomas Rensmann
Typische Häuser auf Samabeong Foto: Thomas Rensmann
Typisches Haus auf Samabeong. Foto: Thomas Rensmann
Typisches Haus auf Samabeong. Foto: Thomas Rensmann
Foto: Thomas Rensmann


Männer und Frauen auf dem Feld

Während die Frauen pflücken, kümmern sich die Männer auf der Plantage um das Unkraut, das zwischen den Bäumen wächst. Mit Sicheln bewaffnet, schlagen sich die Gruppen durch die Felder und entfernen alles, was nicht erwünscht ist. Nur einige wenige Pflanzen bleiben von den Klingen verschont, da sie dem Boden bestimmte Nährstoffe geben, Schatten spenden oder, wie zum Beispiel die Pflanze Neem, Insekten fern halten.

Doch das Unkraut müsse weiterhin von Hand entfernt werden, wie mir ein Mitarbeiter sagte. Das Gelände ist erstens uneben, teilweise sehr steil und zweitens stehen die Büsche in unregelmäßigen Abständen – Maschinen würden sie beschädigen. So musste ich einsehen, dass an der mühsamen Handarbeit in der Teeproduktion in der nächsten Zeit kein Weg vorbei führt. 

In der Teefabrik

In den Teefabriken bei TPI arbeiten jeweils bis zu 70 Beschäftigte. Wie die einzelnen Verarbeitungsschritte aussehen, erfahren Sie in der Bildergalerie:

Die aufwändige Verarbeitung des Schwarztees beginnt mit dem Welken: Die Blätter werden auf Drahtgittern ausgebreitet, durch die ca. 12 bis 15 Stunden ein warmer Luftstrom geblasen wird. So verlieren die Blätter bereits ein Drittel ihres Wassergehaltes. Foto: Thomas Rensmann
Die aufwändige Verarbeitung des Schwarztees beginnt mit dem Welken: Die Blätter werden auf Drahtgittern ausgebreitet, durch die ca. 12 bis 15 Stunden ein warmer Luftstrom geblasen wird. So verlieren die Blätter bereits ein Drittel ihres Wassergehaltes. Foto: Thomas Rensmann
Dies ist wichtig für das anschließende Rollen: Das gewelkte, noch grüne Blatt wird in so genannten Roller-Maschinen etwa eine halbe Stunde lang unter Druck gerollt. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Dies ist wichtig für das anschließende Rollen: Das gewelkte, noch grüne Blatt wird in so genannten Roller-Maschinen etwa eine halbe Stunde lang unter Druck gerollt. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Die Kombination von Druck und Rotation bricht die Zellen der Blätter auf, wodurch sich später das Aroma besser freisetzen kann. Die Maschinen stammen teils noch aus der britischen Kolonialzeit, tun aber immer noch ihren Dienst. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Die Kombination von Druck und Rotation bricht die Zellen der Blätter auf, wodurch sich später das Aroma besser freisetzen kann. Die Maschinen stammen teils noch aus der britischen Kolonialzeit, tun aber immer noch ihren Dienst. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Beim folgenden Fermentieren wird die Oxidation, die bereits beim Rollen eingesetzt hat, fortgesetzt: Durch das Aufbrechen der Zellwände reagieren die Inhaltsstoffe, die dem Tee später seinen charakteristischen Duft und sein Aroma geben, mit dem Luftsauerstoff. Für die Fermentation wird der Tee für etwa eine Dreiviertelstunde ausgebreitet und verfärbt sich jetzt kupferrot. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Beim folgenden Fermentieren wird die Oxidation, die bereits beim Rollen eingesetzt hat, fortgesetzt: Durch das Aufbrechen der Zellwände reagieren die Inhaltsstoffe, die dem Tee später seinen charakteristischen Duft und sein Aroma geben, mit dem Luftsauerstoff. Für die Fermentation wird der Tee für etwa eine Dreiviertelstunde ausgebreitet und verfärbt sich jetzt kupferrot. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Ein Mitarbeiter prüft den fermentierten Tee. Foto: Thomas Rensmann
Ein Mitarbeiter prüft den fermentierten Tee. Foto: Thomas Rensmann
Zum Trocknen und damit Haltbarmachen kommt der Tee in spezielle Öfen. Bei rund 85°C wird die Fermentation abgeschlossen … Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Zum Trocknen und damit Haltbarmachen kommt der Tee in spezielle Öfen. Bei rund 85°C wird die Fermentation abgeschlossen … Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
… und der Tee bekommt eine nahezu schwarze Farbe. Foto: Thomas Rensmann
… und der Tee bekommt eine nahezu schwarze Farbe. Foto: Thomas Rensmann
Danach wird der Tee durch Rüttelsiebe nach verschiedenen Blatt- und Broken-Graden sortiert. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Danach wird der Tee durch Rüttelsiebe nach verschiedenen Blatt- und Broken-Graden sortiert. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Abschließend werden die Tees noch einmal mit kreisenden Bewegungen von Hand durchgesiebt. Das übernehmen vorwiegend Frauen, während Männer die Maschinen bedienen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Abschließend werden die Tees noch einmal mit kreisenden Bewegungen von Hand durchgesiebt. Das übernehmen vorwiegend Frauen, während Männer die Maschinen bedienen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Der Manager der Fabrik trägt eine große Verantwortung: Täglich muss er den Produktionsprozess an die Blätter anpassen und entscheiden, wie lange sie gerollt und getrocknet werden. All das beeinflusst, wie intensiv der Tee hinterher schmeckt. Jeden Abend verkostet der Manager die Tagesproduktion. Foto: Thomas Rensmann
Der Manager der Fabrik trägt eine große Verantwortung: Täglich muss er den Produktionsprozess an die Blätter anpassen und entscheiden, wie lange sie gerollt und getrocknet werden. All das beeinflusst, wie intensiv der Tee hinterher schmeckt. Jeden Abend verkostet der Manager die Tagesproduktion. Foto: Thomas Rensmann



Stand 10/2015

 

 

 

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Neue Herausforderungen: Der Bio-Teegarten Samabeong ist eine Erfolgsgeschichte. Aber natürlich gibt es auch Schwierigkeiten, denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner stellen müssen. Mehr darüber lesen Sie
im vierten Teil

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