Auf dem Feld mit Nagasha Dorcias Karamugire

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Was Bio-Kaffee mit
Kühen und Schulen zu tun hat

Mit einer Hacke über der Schulter läuft Nagasha Dorcias Karamugire über ihr Feld. Unterwegs wirft sie einen prüfenden Blick auf die gerade heranreifende neue Ernte. Die meisten Kaffeekirschen sind noch grün, nur vereinzelt sind schon rote Früchte dazwischen. Aber alle glänzen, sind gesund – und ungewöhnlich groß. „Die Mühe, Kuhdung aufzutreiben, hat sich gelohnt“, meint die 49-Jährige. Kuhdung ist ein knappes Gut geworden, seit ACPCU, der Dachverband der örtlichen Kaffeekooperativen in der Ankole-Region größer wird und dadurch immer mehr Bauern auf Bio-Kaffee umschwenken. Nagasha wird demnächst mehr davon brauchen: Gerade hat sie ein kleines Stückchen zusätzliches Land kaufen können. Platz genug für 15 neue Kaffeebüsche.

Nagasha Dorcias Karamugire hat ein kleines Stück Land gekauft, auf dem sie 15 neue Kaffeebüsche pflanzen kann. Diese sollen das Einkommen für ihre elfköpfige Familie sichern. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Nagasha Dorcias Karamugire hat ein kleines Stück Land gekauft, auf dem sie 15 neue Kaffeebüsche pflanzen kann. Diese sollen das Einkommen für ihre elfköpfige Familie sichern. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Kunstdünger laugt Böden aus: Besser ist Kuhdung

„Ich habe viel von ACPCU gelernt und befolge jetzt alle Ratschläge zum besseren Kaffeeanbau.“ — Nagasha Dorcias Karamugire

Damit hat Nagasha Dorcias Karamugires Land zwar immer noch nicht einmal die Größe eines Fußballfeldes. Doch so klein die Fläche auch ist - sie muss elf Menschen ernähren. Nagasha hat sieben Kinder und bereits sechs Enkel: Bis auf die ältesten Töchter und deren Kinder hängen alle von diesem kleinen Stückchen Land ab. Das ist typisch für den Südwesten Ugandas. Die Bevölkerung wächst, das Land wird immer knapper und muss immer mehr Menschen ernähren. Um der Erde so viel Ertrag wie irgend möglich abzutrotzen, greifen viele Bauern zu Chemie. „Kurzfristig bringt das was, aber schon nach ein paar Jahren ist der Boden von dem Kunstdünger ausgelaugt“, hat die Kaffeebäuerin bei einer ihrer Schulungen gelernt. „Bevor ich Mitglied bei ACPCU wurde, wusste ich solche Dinge nicht“, meint sie. „Aber nachdem ich das gelernt habe, befolge ich alle Ratschläge zum besseren Kaffeeanbau."

Die Entscheidung ACPCU beizutreten, bezeichnet Nagasha Dorcia Karamugire als eine der besten ihres Lebens: Nagasha und ihr Mann Gabriel konnten z. B. von ihrem angesparten Geld aus ihrer Lehmhütte ausziehen und sich ein richtiges Haus bauen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Die Entscheidung ACPCU beizutreten, bezeichnet Nagasha Dorcia Karamugire als eine der besten ihres Lebens: Nagasha und ihr Mann Gabriel konnten z. B. von ihrem angesparten Geld aus ihrer Lehmhütte ausziehen und sich ein richtiges Haus bauen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Zuschläge durch Fairen Handel für hochwertigen Bio-Kaffee

„Wir konnten endlich die alte Lehmhütte durch ein fest gemauertes Haus ersetzen.“ — Nagasha Dorcia Karamugire

Die Entscheidung ACPCU beizutreten, bezeichnet Nagasha Dorcia Karamugire als eine der besten ihres Lebens. Was sie in den Workshops und Schulungen gelernt hat, hat sich direkt auf ihr Familieneinkommen und auf ihre Lebensverhältnisse ausgewirkt. Die Erträge sind gestiegen, die Produktionskosten gesunken und weil sie für den Fairen Handel qualitativ besonders hochwertigen Bio-Kaffee produziert, bekommt sie wesentlich mehr pro Sack als früher. „Wir haben heute doppelt so viel Geld zur Verfügung wie früher. Zum ersten Mal mussten wir nicht alles Geld für das Notwendigste ausgeben, sondern konnten etwas sparen und endlich die alte Lehmhütte durch ein fest gemauertes Haus ersetzen“, erzählt sie.

ACPCU baut Schulen für Kinder in abgelegenen Regionen

Der Hausbau war auch deshalb möglich, weil die Familie heute deutlich weniger Geld  für die Schulbildung ihrer Kinder ausgeben muss. „Früher waren die Schulen weit weg, der Schulweg war so lang, dass meine Kinder dort wohnen mussten. Und natürlich musste die Unterbringung bezahlt werden.“ Lange gab es in den Dörfern lediglich Grundschulen. Um das zu ändern, hat ACPCU mit Hilfe der Fairtrade-Prämie inzwischen drei weiterführende Schulen in abgelegenen Regionen gegründet. In einer davon sitzt Annitah an einer Holzbank in der 10. Klasse. Anders als früher ihre älteren Schwestern muss sie nicht in der nächsten Stadt wohnen, sondern kann morgens zu Fuß zur Schule gehen. Sie will Krankenschwester werden, vielleicht sogar Ärztin. Die Chancen, dass  Annitah das schafft, stehen gut, denn ihre Mutter investiert klug und arbeitet hart: Es spricht alles dafür, dass sie ihre Tochter zur Universität schicken können wird.

Nagashas Tochter Annitah (links) geht in die 10. Klasse einer weiterführenden Schule. Anders als früher ihre älteren Schwestern muss sie nicht in der nächsten Stadt wohnen, sondern kann morgens zu Fuß zur Schule gehen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Nagashas Tochter Annitah (links) geht in die 10. Klasse einer weiterführenden Schule. Anders als früher ihre älteren Schwestern muss sie nicht in der nächsten Stadt wohnen, sondern kann morgens zu Fuß zur Schule gehen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Annitahs Wunsch ist es zu studieren und Krankenschwester zu werden. Die Chancen, dass sie das schaffen kann, stehen gut, denn ihre Mutter investiert klug und arbeitet hart. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Annitahs Wunsch ist es zu studieren und Krankenschwester zu werden. Die Chancen, dass sie das schaffen kann, stehen gut, denn ihre Mutter investiert klug und arbeitet hart. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Was sind Nagashas nächste Pläne?

„Ich möchte mir eine Kuh kaufen, dann kann ich den Kompost für den Bio-Anbau selber produzieren.“ — Nagasha Dorcia Karamugire

Gerade schwingt Nagasha Dorcia Karamugire ihre schwere Hacke in die feuchte Erde um ein Loch für einen neuen Kaffeesetzling auszuheben. Gleich daneben gräbt sie noch eines für einen Schattenbaum – die zu pflanzen ist ebenfalls eine Empfehlung der Kooperative. Gemeinsam mit ihrem Mann Gabriel und der Enkelin Ronah setzt die Bäuerin den Schössling in das Loch. Sorgfältig drückt sie die Erde um das Pflänzchen herum fest. Zum Schluss wässert sie es ausgiebig. Fünf Jahre wird es dauern, bis der Setzling die erste Ernte liefern wird. Um es bis dahin optimal hegen und pflegen zu können, spart Nagasha Dorcia Karamugire jetzt auf eine Kuh. „Dann kann ich mir das Geld für Kuhdung sparen und meinen Kompost für den Bio-Anbau selber produzieren.“ Und Milch für die Enkelin gibt es dann obendrein.

Gemeinsam mit ihrem Mann Gabriel und der Enkelin Ronah pflanzt Nagasha Dorcia Karamugire einen neuen Kaffeesetzling - fünf Jahre wird es dauern, bis dieser die erste Ernte liefern wird. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Gemeinsam mit ihrem Mann Gabriel und der Enkelin Ronah pflanzt Nagasha Dorcia Karamugire einen neuen Kaffeesetzling - fünf Jahre wird es dauern, bis dieser die erste Ernte liefern wird. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Damit das Pflänzchen optimal gedeihen kann, spart Nagasha Dorcia Karamugire auf eine Kuh: Mit der kann sie sich das Geld für den Kuhdung sparen, ihren Kompost für den Bioanbau selber produzieren - und Milch für Enkelin Ronah gibt es dann obendrein auch noch. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Damit das Pflänzchen optimal gedeihen kann, spart Nagasha Dorcia Karamugire auf eine Kuh: Mit der kann sie sich das Geld für den Kuhdung sparen, ihren Kompost für den Bioanbau selber produzieren - und Milch für Enkelin Ronah gibt es dann obendrein auch noch. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch


Stand 02/2017

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