Bitterer Zucker wird süß

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Die Erfolgsgeschichte
des Fair Trade-Zuckerpartners ATC

Dank der Zusammenarbeit mit der GEPA können sich ehemalige Landarbeiter auf den Philippinen in Genossenschaften selbständig machen.

Die schmale Planke schwankt gefährlich, als Sandrico darüber auf die schon hoch bepackte Ladefläche des Lastwagens läuft. Kein Wunder, denn er balanciert dabei ein 30 Kilo schweres Bündel Zuckerrohr auf seinen Schultern. Die Luft ist feucht und heiß. Der Schweiß rinnt ihm die Stirn herunter, doch er gönnt sich keine Pause, nicht einmal einen Schluck Wasser, sondern klaubt sofort das nächste Bündel zusammen.

„Früher bekamen wir nur 1,50 Euro pro Tag.“ — Sandrico Cornelio

Sandrico Cornelio ist Anfang 40 und der Vorsitzende der Kooperative Nakalang Padilla. Auf dem Zuckerrohrfeld arbeitet er, seitdem er zwölf Jahre alt ist. Wie alle der 42 Mitglieder war auch er als Arbeiter auf der Farm eines Großgrundbesitzers beschäftigt. „Wir haben damals nur sehr wenig für die harte Arbeit bekommen, umgerechnet etwa 1,50 Euro pro Tag“, erinnert er sich. „Und in der Zeit im Winter, wenn nicht geerntet wird, verdienten wir vier bis fünf Monate lang gar nichts. Dann mussten wir uns irgendwo anders Arbeit suchen.“

Früher verdienten die Zuckerarbeiter kaum genug zum Überleben - jetzt bleibt den Mitgliedern der Kooperative sogar noch ein Gewinn. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Früher verdienten die Zuckerarbeiter kaum genug zum Überleben - jetzt bleibt den Mitgliedern der Kooperative sogar noch ein Gewinn. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Erntehelfer bei der Kooperative Nakalang Padilla, die zu ATC gehört. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Erntehelfer bei der Kooperative Nakalang Padilla, die zu ATC gehört. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Über die Planke tragen die Zuckerarbeiter wie Sandrico die schweren Zuckerrohrbündel auf den LKW. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Über die Planke tragen die Zuckerarbeiter wie Sandrico die schweren Zuckerrohrbündel auf den LKW. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Flocerfida Cornelio, Sandricos Frau. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Flocerfida Cornelio, Sandricos Frau. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Säherinnen pflanzen Zuckerrohrsetzlinge. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Säherinnen pflanzen Zuckerrohrsetzlinge. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Die philippinische Sonne brennt stark, deshalb tragen die Zuckerarbeiter(innen) auch bei bewölktem Himmel einen Sonnenschutz auf dem Kopf. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Die philippinische Sonne brennt stark, deshalb tragen die Zuckerarbeiter(innen) auch bei bewölktem Himmel einen Sonnenschutz auf dem Kopf. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Die Mitglieder machen eine Pause. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Die Mitglieder machen eine Pause. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Sandrico Cornelio bei der Buchhaltung: "Ich hätte nie zu träumen gewagt, einmal so viel Geld zu haben." Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Sandrico Cornelio bei der Buchhaltung: "Ich hätte nie zu träumen gewagt, einmal so viel Geld zu haben." Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Ronald Tauhara, ebenfalls Mitglied der Kooperative, kocht Mittagessen auf dem Feuer. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Ronald Tauhara, ebenfalls Mitglied der Kooperative, kocht Mittagessen auf dem Feuer. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch


Zuckerarbeiter verdienen kaum genug zum Überleben

Sandrico Cornelio lebt auf der philippinischen Insel Negros, dem Hauptanbaugebiet des Landes für Zucker. Auf Negros gibt es ein bekanntes Sprichwort: „Zucker ist süß, für die, die ihn essen, Süßer für die, die seine Gewinne einstreichen und bitter für diejenigen, die ihn produzieren.“ Mit Zucker lassen sich heute wieder gute Gewinne erzielen, doch die Arbeiter verdienen kaum genug zum Überleben. 1,50 Euro Tageslohn – das hieße für Sandrico Cornelio und seine fünfköpfige Familie, meist nur zwei Mal am Tag zu essen und sich dabei hauptsächlich von Reis und getrocknetem Fisch zu ernähren.

Staatliche Landverteilung läuft oft ins Leere

„Zuckerrohr anzubauen erfordert einiges an Infrastruktur.“ — Elizabeth Mondejar

Land ist auf den Philippinen sehr ungleich verteilt. Der meiste Grundbesitz gehört einigen wenigen Großfamilien. Seit Jahren bemühen sich die Menschen um eine Landreform.

Tatsächlich gibt es ein Programm, welches das Land gerechter aufteilen soll. Doch das läuft regelmäßig ins Leere. „Wenn sich die Arbeiter zusammen schließen, bekommen sie Land, das sie über 30 Jahre lang abzahlen können“, erklärt Elizabeth Mondejar den Ansatz. „Doch der Staat gibt ihnen kein Kapital, um auf dem Land auch arbeiten zu können. Der Anbau von Zuckerrohr erfordert aber einiges an Infrastruktur: Traktoren, LKW, Ochsenkarren, eine Verarbeitungsanlage – nur wenn man all das hat, kann man sein Land erfolgreich bewirtschaften.“

Wasserbüffel sind hier wichtige Helfer: Sie ziehen zum Beispiel den Pflug. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Wasserbüffel sind hier wichtige Helfer: Sie ziehen zum Beispiel den Pflug. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Hier zieht der Büffel einen kleineren Wagen. Zuckerbauer Mirco Luhara führt ihn. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Hier zieht der Büffel einen kleineren Wagen. Zuckerbauer Mirco Luhara führt ihn. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Mirco Luhara und Sandrico Cornelio gemeinsam auf dem Büffelwagen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Mirco Luhara und Sandrico Cornelio gemeinsam auf dem Büffelwagen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Beim Pflügen auf dem Zuckerfeld. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Beim Pflügen auf dem Zuckerfeld. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

 

ATC und Fair Trade: Wie alles anfing

Deshalb sind alle Versuche der Arbeiter, sich als Bauern selbständig zu machen, normalerweise von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Elizabeth Mondejar gehört zum Management der Alter Trade Corporation (ATC): Ende der 1980er Jahre hatten sich einige, damals noch junge, Zuckerkooperativen zu ATC zusammengeschlossen. "Wir hatten damals große Mühe, das Geld für eine Weiterverarbeitungsanlage zusammen zu bekommen", erinnert sich Elisabeth Mondejar. "Das Einzige, was wir uns so gerade eben leisten konnten, war eine Fabrik für Mascobado, den traditionellen Vollrohrzucker. Aber keiner wollte die grobe Melasse kaufen, obwohl sie noch viele Ballaststoffe enthält. Sie galt als der 'Zucker der armen Leute'."

In der GEPA fanden die Bauern schließlich einen Handelspartner, der ihnen diesen besonders bekömmlichen Zucker verlässlich abnimmt - und das inzwischen seit über 25 Jahren. Rund 600 ehemalige Plantagenarbeiter konnten sich so als Bauern selbständig machen.

 

 

Sandrico schaut bei seinen Nachbarn vorbei. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Sandrico schaut bei seinen Nachbarn vorbei. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Stark in der Gemeinschaft: Vom Traktor bis zur Fortbildung

„Wir haben gelernt, wie man die Arbeit auf so einer Farm organisiert.“ — Sandrico Cornelio

Auch für Sandrico Cornelio und seine Mitstreiter wäre der Weg in die Unabhängigkeit kaum möglich gewesen, wenn sie keine Unterstützung bekommen hätten: Die Arbeiter der Nakalang Padilla Farm beschlossen 2006, 42 Hektar Land von ihrem bisherigen "Patron", auf Deutsch "Großgrundbesitzer", zu kaufen.

Sie hatten das Glück, sich ATC anschließen zu können. "Sie haben uns Geld für Traktoren und Ochsen geliehen und sie helfen uns bei technischen Fragen", erinnert sich Sandrico Cornelio dankbar. Der Weg in die Selbständigkeit war für die Mitglieder von Nakalang Padilla hart. Die meisten hatten gerade mal die Grundschule besucht und immer nur Anweisungen ausgeführt. "Aber ATC hat uns Fortbildungen gegeben, in denen wir gelernt haben, wie man die Arbeit auf so einer Farm organisiert, an was man alles denken muss und wie zum Beispiel die Buchhaltung funktioniert."

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Jetzt bleibt sogar noch Gewinn übrig

„Mein neues Haus hält Taifunen viel besser Stand.“ — Sandrico Cornelio

Seitdem sie sich selbständig gemacht haben, können sich Sandrico Cornelio und seine Genossen einen Tageslohn von 2,50 Euro auszahlen. "Jetzt gibt es bei uns immer drei Mahlzeiten pro Tag und einmal die Woche Fleisch. Manchmal ist sogar noch ein Nachmittagssnack drin!", erzählt der Bauer, der endlich kein abhängiger Arbeiter mehr ist, und lacht dabei vor Freude aus lautem Hals. Trotzdem bleibt auch nach Rückzahlung des Kredites für das Land und die Geräte noch ein Gewinn übrig, den die Mitglieder von Nakalang Padilla nach der Ernte untereinander aufteilen. 3.860 Euro erhielt Sandrico Cornelio im vergangenen Jahr.

„Ich hätte nie zu träumen gewagt, einmal so viel Geld zu haben! Ich habe davon ein neues Haus gebaut: Es hat ein richtiges Fundament und einen Dachstuhl - und hält den ständigen Taifunen viel besser Stand als meine alte Bambushütte.” Mit seinen 50 Quadratmetern ist das Haus doppelt so groß wie die ehemalige Hütte. Es beherbergt auch einen winzigen Tante-Emma-Laden, in dem die Nachbarn zum Beispiel Shampoo und Suppenwürfel kaufen können. Der Boden ist aus blankem Beton, die Wände sind nur einen Meter hoch gemauert, darüber kommt winddurchlässiges Bambusgeflecht - es ist noch einiges zu tun, bis Sandricos Haus endgültig fertig ist und es wird noch eine Weile dauern, denn jetzt muss erst mal die älteste Tochter aufs College, das ist wichtiger.

Sandricos neunjährige Tochter Chanel kaut auf einem Stück Zuckerrohr - für sie ist der Zucker süß geworden. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Sandricos neunjährige Tochter Chanel kaut auf einem Stück Zuckerrohr - für sie ist der Zucker süß geworden. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Shine und Chanel, drei und neun Jahre alt - zwei der drei Töchter von Sandrico und Flocerfida. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Shine und Chanel, drei und neun Jahre alt - zwei der drei Töchter von Sandrico und Flocerfida. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch



Im Winter nicht mehr nach Arbeit suchen

„Ich hätte nie zu träumen gewagt, so viel Geld zu haben.“ — Sandrico Cornelio

Sandrico Cornelio ist heute ein zufriedener Mann, der stolz auf das ist, was er gemeinsam mit den anderen Kooperativen-Mitgliedern gegen alle Widrigkeiten erkämpft hat. Trotzdem gibt es noch einiges, was ihm Sorgen macht. "Wenn eines der Kinder krank wird, kann das immer noch den Ruin bedeuten. Deswegen wollen wir nach der nächsten Ernte einen Teil der Prämie in eine Krankenversicherung investieren", meint er und schaukelt seine jüngste Tochter liebevoll auf den Knien.

Sie und ihre drei Schwestern nicht mehr jedes Jahr über Monate allein lassen zu müssen, das ist für den Familienvater vielleicht das Beste an seinem neuen Leben als Landbesitzer. "In der Winterzeit machen wir jetzt Reparatur- und Wartungsarbeiten an unseren Zäunen und Wegen. Schließlich gehört uns das ja jetzt alles, da müssen wir uns auch darum kümmern." Während er das erzählt, nuckelt die kleine Shine zufrieden an einem Stück Zuckerrohr - für Sandrico Cornelios Kinder ist Zucker süß geworden.

WEITERE INFORMATIONEN

In unserer Handelspartnerdarstellung
lesen Sie mehr über ATC

Klimaschutz: Gemeinsam mit ATC haben wir ein Baumpflanzprojekt gestartet:
Erfahren Sie mehr!

Der Klassiker von ATC

Mascobado-Vollrohrzucker

Foto: GEPA - The Fair Trade Company Jetzt bestellen

Video

So entsteht Mascobado-Zucker

Im Video "Sweetness Beyond Flavors" zeigt ATC, wie fairer Mascobado Vollrohrzucker produziert wird!

Foto: Alter Trade Corporation

G wie...

Glückwunsch-Video von ATC

ATC hat uns mit einem tollen Video zum 40. Jubiläum gratuliert - viel Spaß beim Anschauen!

Foto: ATCFoto: GEPA - The Fair Trade Company