„Fairer Handel auf dem Prüfstand“

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Fischer

Hintergrundinfos zur Wiederholung
der kritischen ARTE-Dokumentation

In der ARTE-Dokumentation „Fairer Handel auf dem Prüfstand“ setzt sich der Filmemacher Donatien Lemaître kritisch mit dem Fairen Handel auseinander. Kernaussage: Fairer Handel hat politisch angefangen und ist mittlerweile zur Marketing- und Profitmasche verkommen – auf Kosten der Menschen im Süden.

Der Film wurde erstmals im August 2013 ausgestrahlt und u. a. am 15.7.2014 wiederholt.

Fairer Handel klassisch: GEPA und CIRSA

Einen konkreten GEPA-Bezug gibt es in dem Film an einer Stelle: das Porträt der mexikanischen Kaffeegenossenschaft CIRSA am Anfang der Reportage. Der Film stellt positive Wirkungen des Fairen Handels heraus:

  • Durch die Preisregelungen im Fairen Handel haben die Kleinbauern mehr Planungssicherheit
  • Kleinbauern haben ein um 20 Prozent höheres Einkommen, bekommen zusätzliche Prämien
  • Kleinbauern können ihren Kindern mehr Bildungschancen geben
  • Durch Entwicklungszuschläge werden Gemeinschaftsprojekte (z. B. Küchenneubauten) finanziert
  • Der Filmautor meint andererseits, Fairer Handel könne Armut nicht beseitigen.
Foto:
Langfristig: Mit dem Zuckerpartner ATC verbindet uns eine jahrzehntelange Handelsbeziehung. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam ein Klimaschutzprojekt gestartet. Foto: FLO-CERT
Langfristig: Mit dem Zuckerpartner ATC verbindet uns eine jahrzehntelange Handelsbeziehung. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam ein Klimaschutzprojekt gestartet. Foto: FLO-CERT
Zukunft durch Bildung: Kinder von Kaffeebauern der Kooperative FIECH in Mexiko bei ihren Hausaufgaben. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
Zukunft durch Bildung: Kinder von Kaffeebauern der Kooperative FIECH in Mexiko bei ihren Hausaufgaben. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch
So fair wie möglich: Unsere Mischprodukte wie Schokoriegel enthalten dank fairer Bio-Alpenmilch und fairem Bio-Palmfett aus Ghana bis zu 100 % faire Zutaten. Foto: Adam Brett
So fair wie möglich: Unsere Mischprodukte wie Schokoriegel enthalten dank fairer Bio-Alpenmilch und fairem Bio-Palmfett aus Ghana bis zu 100 % faire Zutaten. Foto: Adam Brett
Selbstbestimmung: Bei TPI entscheiden über eine Arbeitnehmervertretung Teearbeiter/-innen mit, zum Beispiel wofür die Mehrpreise des Fairen Handels verwendet werden. Foto: M. Kaufung
Selbstbestimmung: Bei TPI entscheiden über eine Arbeitnehmervertretung Teearbeiter/-innen mit, zum Beispiel wofür die Mehrpreise des Fairen Handels verwendet werden. Foto: M. Kaufung

 

Wir meinen: Verglichen mit unseren hohen europäischen Standards stimmt das, verglichen mit ihren Ausgangsbedingungen haben die Bauern in 20 Jahren Fairer Handel jedoch viel erreicht. Denn die Lebenssituation von Kleinbauern in Chiapas ohne Fairen Handel ist deutlich schlechter. In Zeiten niedriger Weltmarktpreise wird Fairer Handel oft zur Überlebensfrage. Wir hätten es begrüßt, wenn dieser Unterschied noch deutlicher herausgestellt worden wäre.

Auch die Bildungsperspektiven sind aus unserer Sicht ein Beleg für den nachhaltigen Erfolg des Fairen Handels: Ein Kaffeebauer wie der im Film porträtierte Andrés Ruiz Gomez kann drei seiner fünf Kinder zur Universität schicken; keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass im reichen Deutschland laut OECD-Studie nur eine Minderheit von Kindern aus Arbeiterfamilien eine Universität besucht.

Supermärkte? Ja, aber mit Wenn und Aber

Ein Vertreter der französischen Fair-Handelsorganisation „Artisans du Monde“ spricht sich im Film gegen fair gehandelte Produkte in Supermarktketten aus. Aus unserer Sicht sind Lebensmittelmärkte als zusätzlicher Absatzkanal für unsere Handelspartner und Kunden mittlerweile unverzichtbar geworden. Für uns stellt sich also die Frage, wie, nicht ob wir mit Supermärkten handeln. Wir lassen uns dabei nicht verbiegen, scheuen uns nicht, Missstände in Wirtschaft, Politik und in internationalen Handelsregeln und -praktiken zu kritisieren. 

Größerer Absatz? Sehr gerne! Aber nicht um jeden Preis Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Fischer
Größerer Absatz? Sehr gerne! Aber nicht um jeden Preis Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Fischer

Margen können wir nicht beeinflussen, denn das Kartellrecht in Deutschland verbietet es, Endverbraucherpreise vorzuschreiben. Einzelhandelsmargen von bis zu 45 Prozent beim Kaffee (wie im Film angegeben) sind uns in Deutschland nicht bekannt. Wir halten daher eine solche Einschätzung für übertrieben.

Land-, Saison- und Wanderarbeiter

Die Dokumentation geht auch auf das Thema Land-, Saison- und Wanderarbeiter ein. Damit befasste sich auch die vielzitierte Studie der London School of Oriental and African Studies der University of London (SOAS). Auch hierzu bieten Hintergrundinfos an. So gibt es inzwischen einen neuen FLO-Standard dazu. 

Unabhängig von Fairtrade International erheben wir als GEPA schon seit einiger Zeit Informationen über die Bedingungen von Wander- und Saisonarbeitern bei unseren Partner- Organisationen, um uns einen Überblick über die Realitäten vor Ort zu verschaffen. Darüber hinaus bitten wir die Partner um ihre Meinung und Verbesserungsvorschläge.

Im Büro der Kakao-Genossenschaft KONAFCOOP in Kamerun. Die GEPA beginnt auch Partnerschaften mit kleineren Organisationen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Im Büro der Kakao-Genossenschaft KONAFCOOP in Kamerun. Die GEPA beginnt auch Partnerschaften mit kleineren Organisationen. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing

 

Wer verändert wen?

„Wer wird sich durchsetzen: Fairness oder Handel?“ Auf die Frage des Films haben wir eine klare Antwort. Mögen andere den Akzent anders setzen, wir haben nicht aufgegeben, die Welt zu verändern. Das sind wir uns, unseren Gesellschaftern, unseren Handelspartnern und unseren Kunden schuldig.

Es bleibt also noch viel zu tun. Helfen Sie uns dabei.

Ihr Thomas Speck

GEPA-Geschäftsführer

WEITERE INFORMATIONEN

Hier können Sie unsere vollständige
Hintergrundinfo von 2013 herunterladen

Lesen Sie auch, wie sich die Standards seit letztem Jahr entwickelt haben, in der
Stellungnahme von Fairtrade Deutschland

Hintergrundinfo

Saison- und Wanderarbeiter

Wie sieht der Alltag bei Kleinbauern aus? Welche Formen der Beschäftigung gibt es? Hier erfahren Sie mehr.

Foto: FTO

fair+

Unsere Plus-Punkte

Was den Fairen Handel der GEPA auszeichnet, sehen Sie im Überblick unter

www.fair-plus.de 

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