Blog: Themenreise nach Nicaragua

„Wirtschaften für das Leben“

Kaffee-Ernte bei Soppexxca

Besonders spannend war z. B. das Kaffeepflücken bei der Genossenschaft Soppexcca am 3. Februar.

Petra Münchmeyer, Key Account Managerin der GEPA für kirchliche Großkunden, ist für zwei Wochen mit unserem Gesellschafter Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) auf den Spuren des Fairen Handels in Nicaragua unterwegs. „Wirtschaften für das Leben“ heißt das Motto der EED-Reise, und damit soll die Verbindung von Fairem Handel und nachhaltiger Beschaffung anschaulich werden.

Die Teilnehmer besuchen verschiedene Genossenschaften und Nichtregierungsorganisation, lernen ihre Arbeitsweise kennen - oder probieren sie gleich selbst aus: Bei der Genossenschaft Soppexxca pflücken sie z. B. selbst Kaffeekirschen.

Faire Produkte sind für kirchliche Großkunden wie Tagungshäuser ein wichtiger Baustein im Engagement für eine sozial, ökologisch und wirtschaftlich zukunftsfähige Welt. Gemeinsam mit Vertretern von EED, kirchlichen Einrichtungen und Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erlebt Petra Münchmeyer, was Fairer Handel und ethisches Wirtschaften in dem mittelamerikanischen Land bewirken. Zu den Mitreisenden gehören auch Kunden der GEPA wie etwa die Johannes-Diakonie in Mosbach.

Reisen auch Sie mit nach Nicaragua – Petra Münchmeyers Blog hält Sie auf dem Laufenden!

 

Samstag, 28. Januar

Nach knapp 24 Stunden auf den Beinen erreichen wir den Flughafen von Managua, genauer: den Aeropuerto Internacional Augusto C. Sandino. Nach der anstrengenden Reise genießen wir zunächst das herrliche Wetter – 22 Grad im Januar sind ein Genuss! Wir lernen außerdem unseren Busfahrer kennen: Enrique wird uns während der gesamten Reise begleiten. Geplant ist der Besuch von drei GEPA-Handelspartnern, weiterer Kooperativen und verschiedener Nichtregierungsorganisationen wie Partnerorganisationen des EED. Jetzt geht es aber erstmal ins Hotel.


im Gottesdienst

Sonntag, 29. Januar

Vormittags sind wir sind zum Gottesdienst in der lutherischen Kirche Managuas eingeladen. Der lebhafte Gottesdienst animiert zum Mitmachen. Glücklicherweise haben wir vorab noch einen kleinen Kanon einstudiert und geben diesen nach einer Vorstellungsrunde zum Besten.

Beim Mittagessen in der Gemeinde erfahren wir viel über das Wirken dieser Kirche. Sie ist liberal und spricht deshalb besonders Jugendliche an.

 

der Vulkan Masaya

Danach erkunden wir die Umgebung. So besuchen wir das Denkmal von Sandino, die Laguna de Apoyo und den Vulkan Masaya – die Schwefeldämpfe sorgen bei einigen von uns für Hustenreiz, der noch Stunden andauert.

 

 

 

Restaurant am See

Abends erzählt uns Brigitte Binder vom EED einiges über die Geschichte des Fairen Handels in Nicaragua. Bei nicaraguanischen Köstlichkeiten diskutieren wir noch lange über viele Themen rund um den Fairen Handel.

Nach einem interessanten aber auch extrem anstrengenden Tag fallen wir ins Bett, gespannt, was uns in den nächsten Tagen noch erwartet. Morgen besuchen wir die Export-Organisation Del Campo. Ihr gehören mehrere Kleinbauernkooperativen an, von denen z. B. die GEPA Sesam für ihre Barrita-Riegel sowie Erdnüsse einkauft.


Eingang zur Verwaltung

Montag, 30.Januar

Nach dem Frühstück checken wir aus unserem Hotel aus und fahren in Richtung León. Nach ca. 45 Minuten Fahrt auf einer sehr gut ausgebauten Straße erreichen wir die Verwaltung der Kooperative Del Campo. Von Del Campo bezieht die GEPA, wie gesagt, den Sesam für die leckeren Bio-Barritas und einen Teil der Erdnüsse.

Del Campo betreut zehn Genossenschaften innerhalb Nicaraguas und fördert deren Vermarktungsstrukturen. Insgesamt 3.600 Produzentenfamilien profitieren hier vom Fairen Handel. Zu einer von ihnen fahren wir. Sie sind Mitglied Cooperativa Multisectorial Eusebio Calixto, R.L. Zwei Mitarbeiterinnen begleiten uns.

 

Napoleon Gomez

Sesambauer Napoleon Gomez

Nach anderthalb Stunden Fahrt begrüßt uns der Kleinbauer Napoleon Gomez freundlich. Seit 1981 bewirtschaftet er zehn Hektar Land, das ihm nach der Landreform zugesprochen wurde. Acht Hektar davon hat er mit Sesam bepflanzt. Mit seiner Familie wohnt er in einer Ansiedlung kleiner, bescheidener und sehr gepflegter Häuser. Bei sengender Mittags-Hitze führt er uns zu Fuß zu einem zirka einen Kilometer entfernten Sesam-Feld.

 

 

Junge Sesampflanzen

Viel Regen – schlechte Ernte

„Dieses Jahr hatte ich sehr viel Pech mit meiner Ernte“, berichtet Napoleon. „Nach der Aussaat hat es 16 Tage andauernd geregnet und das Wasser stand mir bis zur Hüfte. Ich musste alles neu säen. In dem nassen Boden ging die Saat aber nicht auf, erst beim dritten Mal hatte ich Erfolg.“ Er erinnert sich an die letzte Katastophe: „1998, nach dem Hurrikan Mitch, sind alle meine Kühe ertrunken und wir Menschen mussten uns auf die Bäume retten, um zu überleben.“

Die Sesamfelder sehen in der Tat sehr mitgenommen aus. Die Pflanzen sind sehr klein geblieben. Durch die letztendlich späte Saat hatten die Pflanzen einfach nicht mehr genügend Zeit zu wachsen und einen guten Ernteertrag zu sichern.

Reisegruppe bei Napoleon

Bio-Anbau

Napoleon Gomez betreibt ausschließlich ökologische Landwirtschaft. In seiner Region ist der Einsatz von Pestiziden aller Art von der Regierung verboten worden. Er weiß ganz genau: „Auf Spritzmittel zu verzichten schützt die Umwelt und unsere Gesundheit.“ Die Zuschläge die im Fairen Handel für biologisch angebaute Produkte gezahlt werden, fangen den etwas geringeren Ernteertrag wieder gut auf.

 

 

Siedlung

In dieser Siedlung lebt Napoleon Gomez mit seiner Familie.

Eine große Familie

Napoleon hat sechs erwachsene Kinder. Alle haben Familien und werden als Arbeitskräfte auf seinen Feldern benötigt. Um so viele Menschen zu ernähren ist Napoleons Land jedoch zu klein. Er erzählt: „Meine Söhne arbeiten jedes Jahr für drei Monate in Costa Rica als Erntehelfer.“ Das lässt sich mit der Arbeit auf den Sesamfeldern gut vereinbaren, da Sesam beim ökologischen Anbau nach der Saat nur noch etwas vom Unkraut befreit werden muss und somit bis zur Ernte wenig Zeit kostet ist. Pünktlich zur Ernte stehen die Söhne dem Kleinbauern dann wieder zur Seite.

 

 

Eingang zur Fertigungsanlage

In der Sesamfabrik

Wir verabschieden uns von Napoleon Gomez und fahren zu den Weiterverarbeitungsanlagen von Del Campo. Hier werden die Sesamkörner nicht nur verarbeitet und gelagert sondern auch neue Sorten und andere Technologien auf einem kleinen Versuchsfeld getestet.

Heute findet bei Del Campo eine Mitgliederversammlung statt, d.h. die Geschäftsführer aller zehn Genossenschaften halten heute ihre Meetings ab. Sie empfangen uns und wir haben die Möglichkeit, mit ihnen über ihre Arbeit und den Fairen Handel zu sprechen.

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Nach der Versammlung

Petra Münchmeyer mit Geschäftsführern von Mitgliedsgenossenschaften Del Campos.

Sie berichten, wie sie die Mehrpreise des Fairen Handels verwenden: Del Campo hat einen Fond eingerichtet, um soziale Projekte innerhalb der Genossenschaft zu finanzieren. So bekamen einige junge Frauen zum Beispiel einen Kleinkredit, um traditionelle Piñatas selbst herzustellen und zu verkaufen. Das sind bunt gestaltete Figuren aus Pappmachée, die zu Kindergeburtstagen mit Süßigkeiten befüllt werden – sehr populär in lateinamerikanischen Ländern. Außerdem fördert Del Campo mit den Geldern aus dem Fond auch Kultur- und Sportprojekte.

Abends geht es weiter nach León in ein nettes Hotel im Zentrum. Dort werden wir die nächsten drei Tage wohnen und unsere nächsten Exkursionen starten.

 


Kathedrale von León

In León steht auch unser Hotel.

Dienstag 31. Januar

Heute geht es um neun Uhr los: Wir besuchen die Frauenkooperative „Carolina Osejo“ in Chinandega, im Norden Nicaraguas. Dieses Projekt stellt der EED vor, die GEPA bezieht selbst keine Produkte von „Caroline Osejo“.

 

 

 

Nüsse knacken

Jede Nuss wird einzeln geknackt

Nach der Revolution haben sich hier 86 Frauen zusammengeschlossen, um Bio-Cashewnüsse zu pflanzen, zu ernten und zu verarbeiten. Maria del Carmen Pulido, die Vorstandssekretärin, erzählt anschaulich von der Entstehung der Genossenschaft. Heute arbeiten noch 26 Frauen in diesem Projekt.

Wir bekommen auch die Weiterverarbeitung zu sehen: Jede Nuss wird von den Frauen einzeln per Hand aufgeknackt! Danach fahren auf eine noch junge Plantage. und weiter zur Genossenschaft Nicaraocoop. Sie vermarktet die Bio-Cashewnüsse von „Carolina Osejo“.

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Zwischendurch brauchen wir aber noch eine kleine Stärkung. Nachdem wir in den letzten Tagen immer mindestens zwei Stunden in den Restaurants auf unser Mittagessen warten mussten, waren wir heute klüger und haben Lunchpakete aus dem Hotel mitgenommen. Genüsslich verzehren wir sie im Schatten.

die Sackfabrik

Nicaraocoop ist ein Zusammenschluss aus 47 Genossenschaften. Für den Export produzieren sie Honig, schwarze Bohnen und Sesam, für den heimischen Markt zusätzlich Mais, Reis und rote Bohnen. Wir sind erstaunt, mit welch moderner Technologie hier gearbeitet wird. Außer den Weiterverarbeitungsanlagen für die Produkte verfügt Nicaraocoop auch über eine eigene Sackfabrik.

Ziemlich müde und kaputt sitzen wir im Bus, mit dem uns Fahrer Enrique wieder ins Hotel nach León bringt.

 


Mittwoch, 1. Februar

Um halb acht fahren wir von León aus los nach Somotillo, einem kleinen Ort im Norden Nicaraguas, zehn Kilometer vor der Grenze zu Honduras. Dort besuchen wir Gemeinschaften, die sich mit Unterstützung der EED-Partnerorganisation SIMAS für ihre Ernährungssicherheit und Entwicklung einsetzen.

Waschtag am Bach

Wir teilen uns vor Ort in Gruppen auf. Meine Gruppe fährt mit Eduardo, einem SIMAS- Mitarbeiter, zu der kleinbäuerlichen Frauenkooperative La Danta in der Nähe von Somotillo.

Die Fahrt gestaltet sich abenteuerlich. Eduardo ist normalerweise mit seinem Motorrad unterwegs und kein geübter Autofahrer. Mit 40 km/h schleichen wir über die Panamericana. Nach einigen Kilometern biegen wir ab in unwegsames Gelände. Auf dem Weg sehen wir überall Frauen, die in den Bächen ihre Wäsche waschen.

Brotofen bei La Danta

Die Frauengemeinschaft La Danta

Francisca de La Paz Moreno Castilla ist die Chefin der Gemeinschaft La Danta. Die Frauengemeinschaft backt selbst Brot und vermarktet dieses in der Region. Darüber hinaus existiert ein „Fondo Revolvente“, aus dem La Danta Vieh für einige Frauen gekauft hat. Den Nachwuchs dieser Tiere müssen die Besitzerinnen immer an die Frauen in der Gemeinschaft weitergeben, die noch kein Vieh erhalten haben. „Wir profitieren alle von La Danta, denn alleine wäre es keinem von uns möglich gewesen, diesen Lebensstandard zu erlangen“, berichtet Francisca.

Abenddämmerung

Nach unserer Exkursion unterhalten wir uns noch bis zum Abend mit SIMAS-Mitarbeitern über deren Projekte. Es ist spät geworden – in der Abenddämmerung fahren wir zurück nach León.

 

 

 

 

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Markt von León

Donnerstag, 2.Februar

Heute verlassen wir unser Hotel in León und machen uns auf den Weg ins Kaffeegebiet nach Jinotega.

Aber zuerst möchten wir natürlich noch ein bisschen etwas von León, der zweitgrößten Stadt Nicaraguas sehen: Wir besichtigen den herrlichen Markt mit seinen tropischen und für uns oft unbekannten, exotischen Früchten und streifen durch die Gassen dieser interessanten Stadt. Die Kathedrale ist die größte und älteste in Mittelamerika und zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Von ihren Dächern hat man einen fantastischen Blick über die Stadt.

 

Strand Poneloya

Nachdem wir León schließlich verlassen haben, machen wir noch einen kurzen Abstecher an die Pazifik-Küste, zum Strand Poneloya. Der Strand sieht herrlich aus!

Von dort aus geht es weiter in Richtung Berge. An heiß sprudelnden Schwefelquellen halten wir an. Die Quellen brodeln richtig und ein scharfer Geruch nach Schwefel liegt in der Luft – ein Schauspiel, das uns fasziniert.

 

 

dampfende Schwefelquellen

Die Straße durch die Berge ist wunderschön und die Landschaft mehr als sehenswert. Hier ist nicht mehr alles so trocken und braun wie im flachen Land um Managua und León, stattdessen umgibt uns saftiges Grün. In Jinotega ist es dann recht frisch und die Kälte fühlt sich angenehm an nach der Hitze der vergangenen Tage.

Auf morgen freue ich mich ganz besonders: Dann besuchen wir die Kaffee-Kooperative Soppexxca, von der die GEPA einen Teil ihrer Kaffeebohnen bezieht.

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Auf dem Weg zu Ana Marias Kaffeepflanzung

Freitag, 3. Februar

Heute verbringen wir den ganzen Tag bei SOPPEXCCA, einer Kaffee-Kooperative, die die GEPA seit vielen Jahren beliefert. Ihre Bohnen sind zum Beispiel im Nicaragua-Kaffee enthalten. SOPPEXCCA besteht aus 18 Genossenschaften mit insgesamt 650 Mitgliedern.

Eine der Genossenschaften ist „Julio Hernandez“, die sich aus wiederum 28 Kleinbauernfamilien zusammensetzt. Auch Ana Maria Gonzales ist Mitglied. Sie ist 52 Jahre alt, verheiratet, hat einen Sohn und fünf Enkelkinder. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie drei Kaffee-Parzellen.

Kaffee-Ernte mit Ana Maria

Kaffeeernte bei Ana Maria - wir müssen noch üben

Stolz zeigt sie uns ihre Felder und gibt uns eine kleine Einweisung in die Kunst des Kaffeepflückens. Nach einer halben Stunde haben wir alle zusammen einen halben Korb voll Kaffeekirschen geerntet. Das ist nicht viel: Ana Maria schafft alleine einen Korb in der Stunde. Wir müssen hier anscheinend noch ein bisschen üben.

Ana Maria profitiert von der Genossenschaft: „Ohne den Kredit von SOPPEXCCA im vergangenen Jahr hätte ich mir nicht mehr Land kaufen können“, erläutert sie uns stolz und ergänzt: „Ich liefere nur an SOPPEXCCA, da ich von ihnen sehr gute Leistungen wie Kredite, Vorfinanzierungen, soziale Sicherheit und gute Preise bekomme.“

Dieses Jahr ist kein gutes Jahr für die nicaraguanischen Kaffeebauern. Die Regenzeit wird bereits im März beginnen und nicht wie üblicherweise im Mai. Das bedeutet, dass alle Bauern noch schnell ihre nicht ganz reife Ernte einbringen müssen. Qualitätsverluste bleiben da nicht aus.

Auf dem Pick-up

Wir quetschen uns auf einen Pick-up und fahren weiter zur Nassaufbereitungsanlage der Genossenschaft. Hier wird der Kaffee in einem aufwändigen Prozess von seinem Fruchtfleisch befreit, gewaschen und anschließend nass in Säcke gefüllt. In der SOPPEXCCA -eigenen Trocknungsanlage trocknen die Bohnen danach auf Folien in der Sonne. Im nächsten Arbeitsschritt werden die schlechten Bohnen per Hand aussortiert, die guten Bohnen gereinigt in Säcken eingelagert.

Im Kaffeelabor muss jede Charge den Geschmackstest und einige weitere Qualitätsprüfungen bestehen. So wird gewährleistet, dass nur gute Qualitäten die Genossenschaft verlassen.

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Fatima Ismael und Petra Münchmeyer

Fatima erklärt uns anschaulich die Strukturen von SOPPEXCCA und beantwortet uns geduldig die vielen Fragen die wir mitgebracht haben. Über den Fairen Handel sagt sie: „Fair Trade zahlt sich nicht nur über den Preis aus, es ist ein Konzept. Wir haben nicht nur wirtschaftliche Sicherheit, sondern auch soziale Vorteile.“

Bei einem leckeren Abendessen und nicaraguanischer Live-Musik verbringen wir noch ein paar schöne Stunden bei der Genossenschaft, um nachher erschöpft, aber sehr zufrieden über den gelungenen und ereignisreichen Tag wieder in unser Hotelbett zu fallen.


Landschaft bei Matagalpa

Samstag, 4.Februar

Aus unserem Hotel checken wir heute Morgen aus. Es geht weiter nach Matagalpa, dort besuchen wir die Cooperativa CECOCAFEN.

Fairer Handel ist wichtig – auch bei hohem Weltmarktpreis

Zuerst sprechen wir mit Mauricio Ruis, seit sechs Monaten Geschäftsführer der Kooperative. Er erklärt uns den Aufbau und die Struktur der Organisation. Im Vergangenen Jahr hatten sie große Probleme. Viele der einzelnen Kleinbauern haben ihre Ernte an Zwischenhändler verkauft und nicht wie vereinbart an CECOCAFEN.

in der Verwaltung von CECOCAFEN

Mauricio Ruis erklärt: „Das ist zwar kurzfristig für den einzelnen Bauern lukrativer, führte aber dazu, dass wir unsere Verträge mit den Kunden nicht mehr vollständig erfüllen konnten. Dies zerstört die Strukturen der Genossenschaft. Wenn der Weltmarktpreis wieder fällt, fehlen den Bauern die Vorzüge einer Genossenschaft. Aus diesem Grund ist auch in Zeiten hoher Weltmarktpreise der Faire Handel sehr wichtig.“

 

 

Baum bei Danilo Gonzales

Die aktiven Frauen bei Danilo Gonzales

Wir fahren weiter zur Kleinbäuerlichen Vereinigung „Danilo Gonzales“, die heute Mitglieder von CECOCAFEN sind. Der Präsident José Ramon Vanegas ist Gründungsmitglied und erinnert sich: „In den Anfängen hat uns die GEPA die gesamte Ernte abgekauft.“ Das war noch bevor CECOCAFEN gegründet wurde. Mit einem Kredit der Genossenschaft konnten 14 Frauen Zimmer in ihren Häusern herrichten, um sie an Touristen zu vermieten – ein florierendes Geschäft. Die Frauen hier sind fleißig und kreativ. Dieses Jahr noch eröffnen sie in San Ramón, dem nächst größeren Ort, eine Kaffeebar.

Bio-Finca

Wir fahren weiter zu unserer nächsten Unterkunft, der Bio-Finca „La Canavallia“. Es gibt dort eine Männer- und eine Frauenunterkunft. Sieben Betten, acht Frauen und ein Bad mit Toilette für alle. Jetzt wird es spannend. Souverän meistern wir zur Zufriedenheit aller auch diese Herausforderung. Es macht richtig Spaß mitzuerleben, wie toll wir als Gruppe und Team funktionieren.

Edgar Sánchez, der Leiter des EED-Büros aus Costa Rica betreut auch die umliegenden Länder, unter anderem Nicaragua. Für ein paar Tage ist er mit uns gereist. Er erklärt, welche Aufgaben der EED in der Region wahrnimmt und berichtet über seine Arbeit.

Nach dem leckeren Abendessen gehen wir zum gemütlichen Teil des Tages über und singen und lachen noch einige Stunden. Wir freuen uns alle sehr, dass wir die Möglichkeit haben an dieser tollen Reise teilzunehmen.

 

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Wanderung

Sonntag, 5.Februar

Erstaunlicherweise haben wir alle recht gut geschlafen und nach einer kalten Dusche sind wir wieder fit und munter.

Schweißtreibende Wanderung

Heute ist Sonntag und wir wollen eine kleine Wanderung zu einem nahe gelegenen Wasserfall unternehmen. Da es die ganze Nacht geregnet hat, ist der Weg fürchterlich glitschig und rutschig. Aber die Mühe lohnt sich: Der Anblick des Wasserfalls und die schöne Landschaft entschädigen für alles! Schweißgebadet kommen wir wieder an unserer Finca an. Die Luftfeuchtigkeit ist hier sehr hoch und der Weg war beschwerlich – eine willkommene Abwechslung nach den vielen Stunden im Bus in den vergangenen Tagen.

Leckeres Mittagessen

Vor dem Mittagessen machen wir eine kleine Gruppenarbeit und reflektieren die letzten Tage.

Nachmittags reisen wir wieder ab, natürlich nicht ohne uns vorher noch ein herrliches Mittagessen zu gönnen. Es gibt eine „Bandeja Tipica“, eine regionaltypische Platte mit viel verschiedenem Fleisch, Kochbananen, Tortilla, Bohnenmus und Salat. Es schmeckt köstlich aber die Portionen sind viel zu groß für uns.

 

 

Ortega-Plakat

Überall Daniel Ortega

Anschließend fahren wir wieder nach Managua. Überall im Land sieht man an den Straßen Propagandaplakate von Daniel Ortega. Es ist unglaublich wie die Werbung für ihn das Land dominiert. Selbst beim abgelegendsten Kleinbauern findet man bemalte Steine oder Pfosten in den typisch rot-schwarzen Farben oder mit einem Schriftzug mit der Aufschrift „Daniel“.

Nachdem unser Mittagsmahl so opulenten ausgefallen ist, essen wir abends noch eine Kleinigkeit im Hotel und gehen früh zu Bett.

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Montag, 6.Februar

Heute ist unser „Studientag“ – und es gibt viel Interessantes zu Lernen. Am Vormittag erläutert Brigitte Binder für alle das Zertifizierungssystem im Fairen Handel.

Mittags gibt uns Manfred Bienert, Fachkraft des EED in Managua, einen kleinen Exkurs über die Arbeit der Kleinbauern in Nicaragua. Es geht dabei auch darum, wie sie ihre Produkte vermarkten und auf welche Schwierigkeiten sie dabei stoßen.

Gespräch bei CENIDH

Nachmittags fahren wir zu CENIDH, der wichtigsten nicaraguanischen Menschenrechtsorganisation. Vilma Núñez de Escorcia, die Präsidentin der Organisation, beantwortet breitwillig alle unsere Fragen. Sie kritisiert die Politik Daniel Ortegas aufs Schärfste und spricht damit aus, was viele im Land sich nicht zu sagen getrauen. Wir sind zutiefst beeindruckt von Vilma, ihrem Team und der Arbeit, die sie hier leisten.

 

 


Müll

Die weniger schönen Seiten Nicaraguas...

Dienstag, 7. Februar

Heute ist unser letzter Tag in Nicaragua. Wir werfen uns in Schale und lassen uns von Enrique zur deutschen Botschaft fahren.

„Der Rechtsstaat ist nicht vorhanden“

Die Botschafterin Dr. Bettina Kern nimmt den Termin mit uns persönlich wahr. Sie spricht offen über die politische Situation im Land und bemängelt die fehlende Gewaltenteilung. Ihre Äußerung „Der Rechtsstaat ist nicht vorhanden“ bringt die Situation des Landes auf den Punkt.

Den Nachmittag verbringen wir in Granada, der drittgrößten Stadt Nicaraguas. Aber auch hier wird wieder deutlich, wie wenig ausgeprägt das Umweltbewusstsein hier ist. Überall liegt Müll herum. Wir laufen zum Nicaraguasee und neben der Straße fließt ein stinkender Abwasserkanal, vollgefüllt mit Müll. Das ist für uns unbegreiflich, aber wahrscheinlich durch die schwierige Situation der Menschen hier begründet.

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Weltbeste Reiseleiterinnen

Johanna Laible und Brigitte Binder vom EED

Unser letzter Abend

Abends essen wir in einem netten Restaurant hoch oben über der Stadt und genießen unseren letzten Abend in vollen Zügen.

Morgen fliegen wir also zurück nach Deutschland. Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich beim EED und bei der GEPA, die es mir möglich gemacht haben an dieser Reise teilzunehmen. Mein bester Dank gilt auch der hervorragenden Reiseleitung von Johanna Laible, die mit Unterstützung von Brigitte Binder mit viel Liebe zum Detail ein total spannendes Programm ausgearbeitet hat und immer um das Wohl eines jeden Einzelnen bemüht war.

Nicaragua ist ein wunderbares Land und ich freue mich, dass ich einen Teil davon kennenlernen durfte!

Petra Münchmeyer

Key Account Managerin der GEPA für kirchliche Großkunden

Ihre Petra Münchmeyer

 

 

 


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