Meine Reise zum neuen Kakaopartner gebana Togo

Reiseblog
von Martina Beck

Begleiten Sie unsere Bildungsreferentin Martina Beck und die GEPA-Einkaufsmanagerin Silvia Kurte bei ihrer Reise nach Togo. Gemeinsam besuchten sie unseren neuen Kakaopartner gebana Togo. Im Reisebericht erfahren Sie, was die zwei Pioniere GEPA und gebana Togo gemeinsam haben und Sie bekommen einen Einblick in den Kakao-Anbau und in den Alltag der Kakaobäuerinnen und Kakaobauern. Außerdem erhalten Sie spannende Hintergrundinformationen zu dem Land Togo und über die Struktur und die Besonderheiten unseres neuen Handelspartners.

Anreise

Am 11.11.2019 ging es frühmorgens um 4 Uhr los. Zusammen mit meiner Kollegin Silvia Kurte, Einkaufsmanagerin für Kakao, durfte ich nicht nur meine erste GEPA-Dienstreise, sondern meinen ersten Besuch in ein afrikanisches Land überhaupt antreten. Für mich war es die dritte außereuropäische Reise und ich war gleichzeitig aufgeregt und sehr gespannt. Auch Silvia als routinierte und erfahrene GEPA-Dienstreisende war gespannt auf den Erstbesuch bei einem vielversprechenden neuen Kakao-Handelspartner: gebana Togo.

Während der Einreise wurde sogar unsere Temperatur gemessen, die Gelbfieber-Impfung streng überprüft und bis wir unser Visum hatten, verging eine ganze Weile. Am Flughafen Lomé holte uns Joël Degboe, der Verwaltungs- und Finanzdirektor von gebana Togo ab und brachte uns zum Hotel. Während der angeregten Unterhaltung im Auto schenkte uns Joël Einblicke in dynamische Wende- und Abkürzungsmanöver, die ich bislang so noch nicht kannte.

 

GEPA und gebana Togo – Zwei Pioniere, viele Gemeinsamkeiten

Am nächsten Morgen wurden wir freundlich vom gebana Togo-Team im Bürogebäude begrüßt und erhielten Einblicke in die Strukturen, die Firmenphilosophie und die Geschäftsfelder. Schnell war klar, dass gebana Togo und GEPA viele Gemeinsamkeiten haben: Respekt vor Mensch und Natur, der direkte Kontakt zu den Produzenten, eine transparente Lieferkette und sehr hohe Qualitätsanforderungen sind einige Beispiele. Beide sind Pioniere – die GEPA steht als Fair-Handels-Pionier in Deutschland für viele innovative Projekte und gebana Togo exportiert den ersten Fairtrade- und bio-zertifizierten Kakao aus Togo.

Was für die GEPA der Kaffee ist, ist für gebana-Togo die Sojabohne. Mit 82 Prozent Umsatzanteil ist Bio-Soja die "Cashcow", Kakao macht derzeit 10 Prozent des Umsatzes aus, das möchten die Mitarbeiter*innen in Zukunft weiter ausbauen. Außerdem erfahren wir, dass gebana Togo 2009 mit dem Export von Kakao begonnen hat. Im Jahr 2012 erhielt gebana Togo die Bio-Zertifizierung und 2013 wurden dann die ersten drei Tonnen Bio-Kakao exportiert. Seit 2015 ist der Kakao auch Fairtrade-zertifiziert.

Ein Tag randvoll mit Erlebnissen und Eindrücken

Ich kenne sie gut, die vollen Tage, an denen die Stunden niemals ausreichen für die To-Do-Listen – aber was ich am ersten Tag in Togo erlebte, hat das noch getoppt. Für das Treffen bei der Kooperative Scoops Procab ging es in das ca. 130 km entfernte Kpalimé Richtung Norden. Neben dem Treffen mit der Kooperative freute ich mich besonders auf das „local food“.

Das Mittagessen musste dann doch etwas länger auf uns warten, da eine kleine Reifenpanne dazwischen kam. Praktischerweise platzte der Reifen direkt vor einer Reifenwerkstatt, so dass unser „Malheur“ schnell wieder behoben war. Aber auch Wartezeiten sind nie langweilig, denn wenn es mal keine Marktstände am Straßenrand gibt, dann ist ein Händler schnell des Weges. So konnten wir die Reifenpanne mit frischer, sehr leckerer Kokosnussmilch gut überbrücken.

 

Während der ca. zweistündigen Fahrt saß ich staunend im Auto: In den Dörfern reihte sich ein Verkaufsstand an den nächsten. Mir kam es so vor, als würden alle die gleichen Produkte verkaufen: Schuhe, Kleider, Lebensmittel. Doch Patrick, der Geschäftsführer von gebana Togo, versicherte uns, dass das so funktioniere. Er begleitete uns während der Reise und beantwortete alle unsere Fragen geduldig. Außerdem stellten wir fest, dass das wichtigste Zubehör in einem togolesischen Auto die Hupe ist. Sie kommt eigentlich ständig zum Einsatz, besonders wenn Fußgänger am Straßenrand unterwegs sind. Hier, so zähle ich, wird zunächst immer zwei Mal gehupt: Das erste Mal muss die Warnhupe sein, danach wird nochmals gehupt.

Es sind nicht viele Autos unterwegs, die Hütten und kleinen Häuser, in denen die Menschen mit zahlreichen Personen wohnen, haben oft weder Strom noch Wasser. All das steht in starkem Kontrast zu dem Leben in Deutschland und führt mir sehr deutlich vor Augen, was mit dem Erdüberlastungstag gemeint ist, der letztes Jahr für Deutschland bereits am 3. Mai war: Wäre der Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung so groß wie in Deutschland, dann hätte sie schon bis zu diesem Zeitpunkt die regenerierbaren Ressourcen verbraucht, die ihr für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Um einen solchen Verbrauch nachhaltig zu decken, bräuchten wir drei Erden.

Kein Mittagessen ohne Fufu – und das am „Schwabentisch“

In freudiger Erwartung auf das „local food“ näherten wir uns einem Restaurant in Kpalimé. Was ich am wenigstens erwartete, war der mir sehr vertraute schwäbische Dialekt, den ich schon von weitem hörte – in Togo, mitten auf dem Land. Am Tisch saßen Mitglieder des Vereins „Hilfe für Togo“ aus dem schwäbischen Waldstetten. Wie sich herausstellte, gehört auch das Restaurant zu einem Ausbildungszentrum, das vor mehr als 30 Jahren vom besagten Verein gegründet wurde. Außerdem erfuhr ich, dass eine der Besucherinnen sehr gut mit meiner ältesten Schwester bekannt ist – die Welt ist klein. Beim Spontan-Rundgang waren wir sehr beeindruckt von den Projekten und sahen, wie viel Herzblut in diese Arbeit gesteckt wurde - mit tollen Erfolgen.

Dann gab es endlich Essen – dabei darf Fufu nicht fehlen. Fufu ist eines der bekanntesten Gerichte in vielen afrikanischen Ländern. Es ist ein gestampfter, fester Brei aus Maniok oder Yams und Kochbananen, der mit verschiedenen Suppen gegessen wird. Am Ende sieht Fufu aus wie ein Riesenknödel – aber vorher muss das Ganze gestampft werden, was gar nicht so einfach ist, wie ich feststellte.

 

Die Kooperative Scoops Procab

Nach dem Essen besuchten wir die Kooperative Scoops Procab, die es seit 2008 gibt und bei der mittlerweile 589 Mitglieder organisiert sind. Während der Gespräche wurde uns immer klarer, dass gebana Togo sehr viel „Anschub- und Aufbauarbeit“ geleistet hat und immer noch leistet. 2011 begann gebana Togo damit, einzelne Bauern für den Bio-Anbau zu motivieren. 2012 erhielt gebana Togo die Bio-Zertifizierung und 2013 konnte der erste Bio-Kakao vermarktet werden. Scoops Procab erhielt 2015 die FLO-Zertifizierung und vermarktet jetzt bio- und Fairtrade-zertifizierten Kakao über gebana Togo. Viele Mitglieder dieser Kooperative besitzen kein eigenes Land, sondern pachten es. Silvia erklärte mir, dass dies ein großer Unterschied zu den Kooperativen in Lateinamerika ist. Dort ist es üblich, dass die Produzenten ihr eigenes Stück Land bewirtschaften.

Gebana Togo kauft die Kakaobohnen fermentiert und getrocknet und auch die Transportkosten zum Aufkaufzentrum werden erstattet. Die Mitglieder von Scoops Procab berichteten, dass sie die Fairtrade-Prämie in erster Linie für die Pflanzungen verwenden – es gibt mittlerweile drei Baumschulen. Hier versuchen die Mitglieder, mit Hilfe von landwirtschaftlichen Beratern das Problem des Insekten- und Termitenbefalls in den Griff zu bekommen. Außerdem werden die Bauern darin geschult, Kompost anzulegen. Von der Prämie hat Scoobs Procab u. a. Macheten und Gummistiefel für die Bauern angeschafft. Als Einnahmequelle ist der Kakao für die Farmer sehr wichtig, daneben bauen sie für den Eigenbedarf Gemüse wie Mais, Maniok und Bohnen an.

Was passiert mit der Fairtrade-Prämie?

Die Fairtrade-Prämie wird in voller Höhe von gebana Togo an Scoops Procab ausgezahlt. Dafür wurden die Prämiengelder bis jetzt eingesetzt:

  • Sprayflaschen, die ausschließlich für den Bio-Anbau benutzt werden, denn: Sprayflaschen wurden als Quelle einer möglichen Kreuzkontamination wahrgenommen. Insbesondere, wenn andere Bauern aus der Gemeinde, die nicht bio-zertifiziert sind, zuvor nicht konforme Schädlingsbekämpfungsmittel versprüht haben.
  • Gummistiefel
  • Macheten
  • Kupfer zum Düngen: dieser wird subventioniert an Mitglieder verkauft
  • Waagen für die Kollekteure
  • Neue Kakaopflanzen

 

Confused on a higher level…

….. nie traf diese Aussage besser auf mich zu als beim Gespräch mit den Kooperativen-Mitgliedern von Scoops Procab. Besonders, als ich versuchte, das Konstrukt des Geldflusses, des Kakao-Aufkaufs und überhaupt der gesamten Kooperativen-Struktur zu verstehen. Ich wusste zwar, dass auch im Fairen Handel nicht immer alles so einfach ist, aber bei diesem Treffen schwirrte mir angesichts der komplizierten Strukturen schon etwas der Kopf. Am Ende habe ich verstanden, dass die Mitglieder der Kooperative ihre Kakaobohnen entweder direkt an gebana Togo, an den lokalen Aufkäufer (collecteur) oder an die Kooperative verkaufen.

Aber was viel wichtiger ist, ich fing an zu verstehen, dass Fairer Handel in der Realität nicht immer so funktioniert, wie meine europäische Denkweise es gerne hätte. Warum die lokalen Aufkäufer zum Beispiel nicht umgangen werden können, fragten wir Patrick. Es sei doch viel besser, wenn die Bauern direkt an gebana Togo oder die Kooperative verkaufen könnten. Wir erfuhren, dass die Aufkäufer in den Gemeinden hoch angesehene Geschäftsleute, oft das Dorfoberhaupt sind, vergleichbar vielleicht mit einem Bürgermeister. Sie zu umgehen oder aus der Lieferkette komplett auszuschließen, wäre gar nicht möglich und würde zu Unfrieden in den Dörfern führen. Ganz ohne sie geht es eben auch nicht. Beispielsweise sorgen sie dafür, dass die Bauern an bestimmten Tagen den Kakao zur Sammelstelle bringen.

 

Sylva und Silvia – Farmbesuch mit Palmschnaps

Am späten Nachmittag ging es weiter zur Farm von Sylva Akpaku. Hier fielen mir zunächst die Hühner auf, die in den Bäumen herumkletterten – bis dahin kannte ich Hühner eher als „Bodentiere“, die Regenwürmer picken. Überhaupt lernte ich die togolesischen Hühner als sehr bewegungsfreudige Tiere kennen - nicht immer freiwillig, da viele von ihnen den hupenden Autos ausweichen mussten, aber immerhin nicht in Käfigen eingepfercht sind. Ob das der Grund war, dass das Hühnerfleisch in Togo anders schmeckte, als ich es kannte?

Angekommen bei Sylva Akpaku, zeigte er uns stolz seine Kakaobohnen, die gerade trockneten. Hier wohnt er mit seiner Frau Nda Amévi und den vier jüngsten Kindern, die zwei älteren Kinder gehen bereits in Kpalimé aufs College. Auch dank der Fairtrade-Prämie und den höheren Preisen, die Sylva Akpaku für seinen Kakao bekommt, können seine Kinder eine weiterführende Schule besuchen. Außerdem bekommt er jedes Jahr neue Kakaobäume und die Kooperative unterstützt ihn beim Bio-Anbau. Er bewirtschaftet ca. 1,75 Hektar Land mit Kakao und einen Hektar mit Mais. Da er seine Kakaobohnen über den Fairen Handel vermarkten kann, konnte er Land dazukaufen. Außerdem baut er wie alle Farmer noch Gemüse für den Eigenbedarf an (Maniok, Bohnen, etc.).

Bei der Kakaoernte helfen sich die Bauern gegenseitig und so war es nicht verwunderlich, dass an diesem Tag ca. 10 Freunde und Nachbarn auf Sylva Akpakus Farm waren, um zu helfen. So also funktioniert Solidaritätsarbeit bei der Kakaoernte.

 

Getrocknete Kakaobohnen hatte ich schon oft gesehen, aber jetzt endlich konnte ich Kakaobäume „in Echt“ und außerhalb des botanischen Gartens bewundern. Schon häufig hatte ich bei den GEPA-Kakao-Workshops Kindern und Jugendlichen die Besonderheiten des Kakaobaums erklärt, aber es ist dann doch viel imposanter, vor einem solchen Baum zu stehen und die prächtigen Kakaoschoten zu sehen und anzufassen.

 

Das Abendessen wurde in großer Runde natürlich draußen eingenommen. Es gab einen Maisbrei mit (Baum-)Hühnchen und leckerer Soße. Obwohl wir nicht bei der Ernte mitgeholfen hatten, mussten wir alle probieren. An diesem Abend lernten wir auch den selbstgebrannten, sehr leckeren Palmschnaps kennen. Er heißt Sodabi erfuhr ich einige Tage später. Beim gemeinsamen Abendessen wurde viel gelacht und die Farmer erzählten uns, dass sie viel lieber bei den verheirateten Nachbarn helfen, weil dann die Frauen kochen und nach der Arbeit ein gutes Essen auf sie wartet.

Zurück im Hotel führten wir weitere Gespräche mit den Mitarbeitern von gebana Togo und einem Mitarbeiter der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), der zufällig zur gleichen Zeit in Togo war. Die Informationsflut war den ganzen Tag auf einem hohen Level. Kein Wunder, dass es mir nach dem ersten Tag so vorkam, als wäre ich schon mehr als eine Woche unterwegs.

Frauenpower und Solidaritätsarbeit bei KEKELI

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur Kooperative KEKELI, die 150 Mitglieder hat, davon 80 weibliche und eine Präsidentin, Benczedi Abra. KEKELI ist Ewe - entstammt also einer der über 50 Sprachen, die in Togo gesprochen werden und bedeutet „Licht“. 2015 gegründet, ist KEKELI noch nicht Fairtrade-zertifiziert, dies wurde aber während unseres Besuchs mit der Unterstützung von gebana Togo vorbereitet.

Wir gingen durch den Wald, vorbei an Kakao- und Bananenbäumen, und hörten schon von Weitem lautes Gerede, Gelächter und Gesang bis wir zu einer Art Lichtung kamen. Ich staunte über den riesigen Haufen noch ungeöffneter Kakaoschoten und über die zahlreichen Männer und Frauen, die jede einzelne Schote von Hand mit einer Machete öffneten und das Fruchtfleisch mit den Kakaosamen herausholten. Viele der Frauen hatten ihre Babys auf dem Rücken dabei. Daneben gab es einen zweiten „Berg“ geöffneter Kakaoschoten, die als Dünger verwendet werden.

Hier sahen wir also ein weiteres Beispiel von Solidaritätsarbeit, allerdings mit noch mehr Helferinnen und Helfern als am Vortag. Mit großem Hallo wurden wir begrüßt und die Stimmung war unbeschwert und fröhlich. Ich kam aus dem Staunen gar nicht heraus, so viele Kakaoschoten auf einmal würde ich wahrscheinlich nicht mehr oft sehen.

 

Silvia versuchte, eine Schote zu öffnen. Sie merkte schnell wie viel Kraft und Geschick das erfordert. Kakaoanbau ist anstrengende Handarbeit – das hatte ich zwar schon oft gelesen, aber nun konnte ich es mit eigenen Augen sehen. Unvorstellbar, dass auf so vielen großen Kakaoplantagen diese Arbeit von Kindern verrichtet wird, die sich dabei häufig verletzen. Im Fairen Handel ist ausbeuterische Kinderarbeit verboten.

 

Schlammfahrt durch den Wald

Nach diesen beeindruckenden Erlebnissen von der Kakaoernte machten wir uns auf den Weg zum Haus von Benczedi Abra, um dort einige der Kooperativen-Mitglieder zu treffen. Auch die Weiterverarbeitung des frisch geernteten Kakaos wollten wir uns ansehen. Wir stiegen in ein Fahrzeug, das sehr viel breiter als der Pfad war. Einen Weg in dem Sinne gab es gar nicht.

Ein tiefes Schlammloch beendete unsere Waldfahrt nach wenigen Minuten und für das Fahrzeug gab es weder vor noch zurück. Schuhe und Socken wurden ausgezogen, gefolgt von einem zarten Einwand Silvias zum Bilharziose-Erreger, der mir bis dahin gänzlich unbekannt war. Daher nahmen wir dankend die Gummistiefel entgegen, um damit nacheinander den Schlamm zu durchqueren.

 

Auf dem Weg zur Kooperative kamen wir am Kindergarten und der Schule vorbei. In fünf voneinander getrennten „Räumen“ - überdacht, aber ansonsten im Freien -  besuchen hier die Kinder den Kindergarten und durchlaufen die Grundschule für vier Jahre. Danach besteht die Möglichkeit, die weiterführende Schule in Kpalimé zu besuchen. Die Kinder kommen aus den umliegenden Dörfern. Später erfuhren wir noch, dass Benczedi Abra den Wiederaufbau der Schule großzügig gesponsert hat, als diese nach einem Sturm stark zerstört wurde.

Kooperativen-Treffen bei KEKELI

Wir sollten die Natur respektieren.Anthony Akattey

Angekommen bei Benczedi Abras Haus, warteten schon einige Kooperativen-Mitglieder auf uns. Einer davon war Anthony Akattey. Er bewirtschaftet 1,5 Hektar Land mit Kakao, die ihm auch gehören, und sagte uns, dass er stolz ist, „Herr über sein eigenes Stück Land zu sein.“ Er ist auch überzeugter Bio-Bauer und glaubt an die Zukunft des Bio-Kakaoanbaus. Besonders froh ist er, dass er dank des Bio-Anbaus nicht mehr in Kontakt mit Pestiziden kommt, die seiner Gesundheit und der Natur schaden. Die Kooperative ist wichtig für ihn, weil sich die Mitglieder gegenseitig helfen, zum Beispiel beim Ausleihen von Gerätschaften, und sich untereinander beraten: „So kann man voneinander lernen“, meinte Anthony Akattey. Außerdem verdient er mit Bio-Kakao mehr als vorher. Neben Kakao baut er, wie viele andere Farmer auch, Ölpalmen an. Für diese gibt es allerdings keinen kontinuierlichen Aufkäufer. Daher ist das Einkommen aus dem Bio-Kakao sehr wichtig für die Farmer. Im Schnitt bewirtschaften die Farmer zwischen einem und fünf Hektar Land.

Der Weg des Kakaos

Fermentation, Trocknung und Säuberung:

Der Kakao wird hier nicht in Körben fermentiert wie am Tag zuvor bei Farmer Sylva. Schon aufgrund der sehr viel größeren Mengen. Auf einer betonierten Fläche, die mit Palmblättern bedeckt ist, wird der frisch geerntete Kakao für ca. sechs Tage fermentiert und mit Bananenblättern abgedeckt.

Anschließend wird der Kakao in der Sonne ca. sieben Tage lang getrocknet und danach ebenfalls von Hand aussortiert. Nach dieser Qualitätskontrolle kommt der Kakao in Säcke und wird dann zum Aufbereitungslager von gebana Togo nach Kpalimé gebracht. So folgen wir dem Weg des Kakaos.
Zum Mittagessen gab es natürlich Fufu mit Hühnchenfleisch und Soße. Auch der obligatorische Palmschnaps am Ende der Mahlzeit durfte nicht fehlen. Mit vielen neuen Eindrücken und einer kleinen Plastikflasche Palmschnaps im Rucksack verabschiedeten wir uns herzlich von den Kooperativen-Mitgliedern.

 

Qualität braucht Zeit

…auf Kakao trifft das in jedem Fall zu – das wurde mir während der Tage in Togo mehr als deutlich. Nach der Auslese auf der Farm trafen wir im Aufbereitungslager von gebana-Togo in Kpalimé ein. Die Bohnen, die hier ankommen, sind selten trocken genug für den Export. Sie werden so lange nachgetrocknet, bis sie die gewünschte Restfeuchte erreicht haben. Der Geräuschpegel war ziemlich hoch und stammte von der Aussiebstation. Hier waren 10 bis 15 Frauen mit der strengen Qualitätskontrolle beschäftigt. Die Kakaobohnen werden von Hand über die großen Siebe geschüttelt, dabei werden zu kleine Bohnen, Schalenreste, Bruchstücke, von Insekten angegriffene Bohnen sowie Schmutzpartikel aussortiert, damit nur noch „gute“ Bohnen übrig sind.

Nach dem Aussortieren von Hand werden die Bohnen in exportfähige Säcke abgepackt. Wenn ein Container zusammen gekommen ist ( das sind i.d.R. 25 Tonnen), werden die Säcke mit dem Lkw nach Lomé in eine angemietete Lagerhalle am Hafen gebracht und nach Freigabe der Vorverschiffungsmuster exportiert. Der Kakao für die GEPA wird direkt nach Bremerhaven verschifft und zunächst in das Lager nach Bremen gebracht, bis es dann zur Weiterverarbeitung geht.

 

Die Frauen stehen für Qualitätsarbeit

In der Qualitätskontrolle sind überwiegend Frauen beschäftigt und wir konnten mit Madame Akoussa sprechen. Seit drei Jahren arbeitet sie im Aufbereitungslager von gebana Togo in Kpalimé. Über den Job ist sie sehr froh, denn sie hat einen Arbeitsvertrag, eine Sozial- und Gesundheitsversicherung und es gibt sogar eine Pensionskasse. Auch wenn ihr Mann mal kein Geld verdient, haben sie ihr Einkommen durch ihre Beschäftigung bei gebana Togo, erzählte sie uns. Besonders freut sie sich über die 20.000 CFA (Das sind ca. 30 Euro) Bonus am Ende des Jahres. Außerdem ist ihr Arbeitsplatz vor der Sonne geschützt, was auch besser für ihre Gesundheit ist.

Einige Arbeiterinnen besitzen keinen Pass und werden von gebana Togo dabei unterstützt, einen Pass zu beantragen. Für die Frauen ohne Pass ist dies eine wichtige Unterstützung. Nach dem Besuch in der Aufbereitungshalle geht die Reise weiter Richtung Norden nach Badou zur Kooperative IKPA und dem zweiten Aufbereitungslager von gebana Togo.

 

Während der ca. 3-stündigen Autofahrt bestätigte sich, was uns vorher über die Landschaft berichtet wurde - es ist bergiger und grüner geworden und bisweilen bieten sich tolle Aussichten. Spätestens jetzt dachte ich mir, dass dies nicht meine letzte Togo-Reise sein sollte.

IKPA - Eine starke Gemeinschaft

Am nächsten Morgen besuchten wir die Kooperative IKPA und das Aufbereitungslager. In Badou wird „Akposso“ gesprochen, wieder eine andere Sprache als Ewe. Bei IKPA ist der Name Programm und bedeutet so viel wie „starke Gemeinschaft“.
Das war auch während des Treffens mit Vertretern und einer Vertreterin dieser Kooperative ganz deutlich zu spüren. Bevor die Gespräche begannen, wurde ein kurzes Gebet gesprochen. Später erfuhr ich, dass die Mitglieder katholisch sind. Wir wurden hier sehr herzlich begrüßt und die Sekretärin der Kooperative, Yietouine Akossiwa Enyakpo stellte die Kooperative vor. Da sie Englisch sprach, musste Patrick diesmal nicht übersetzen.

Ursprünglich gehörte IKPA zu Scoops Procab, trennte sich aber Ende 2017 und machte sich sozusagen „selbstständig“. IKPA hat jetzt 467 Mitglieder, davon 51 Frauen. Fast alle Farmer besitzen ihr eigenes Land, 1,5 Hektar im Schnitt. Offensichtlich ist hier der Einfluss der Aufkäufer nicht so groß wie bei Scoops Procab in Kpalimé und es zeigt sich einmal mehr, wie viele Facetten der Faire Handel hat. Selbst in einem kleinen Land wie Togo unterscheiden sich Kooperativen-Strukturen von Region zu Region.

Visionen: „Wir wollen wachsen“

Die Kooperative ist für mich wie eine zweite Familie.Yietouine Akossiwa Enyakpo

Bei IKPA sind der Gemeinschaftssinn und die Aufbruchstimmung deutlich zu spüren – die Mitglieder wollen etwas erreichen. Wir schauten uns Fotos vom 1. Mai an: Zahlreiche Mitglieder von IKPA waren in ihren T-Shirts auf die Straße gegangen, haben auf sich und die Kooperative aufmerksam gemacht und für die Rechte von Mitarbeiter*innen protestiert.
Sie wollen wachsen und „kein Kind bleiben“, sagte uns Yietouine Akossiwa Enyakpo. Sie wissen, dass es noch viel zu tun gibt, aber sie freuen sich auf die Herausforderungen der Zukunft und hoffen, dass sie bei unserem nächsten Besuch ihr eigenes Büro haben werden. Noch nutzen sie die Räumlichkeiten von gebana Togo, die an das Aufbereitungslager angrenzen.

 

Bio bringt‘s

Das meinten auch die Mitglieder von IKPA: Sie sind überzeugt, dass Bio-Anbau die Zukunft ist. Die Erträge sind zwar etwas zurückgegangen, aber das nehmen sie gerne in Kauf und sind dafür weniger krank. Bevor sie auf Bio umgestellt haben, so berichteten die Farmer, hatten viele von ihnen zittrige Hände. Mittlerweile habe sich der Allgemeinzustand verbessert. Perspektivisch sind sie überzeugt, dass sie das Ertragsvolumen verdoppeln können. Der Insektenbefall der Kakaobäume stellt die Bauern vor große Herausforderungen. Sie starten Versuche mit Bio-Neem-Öl, das gebana Togo für sie aus Benin kauft.
Der Präsident von IKPA Komi Ebé Kenou meinte, dass „Landwirtschaft ohne Anstrengung schlechte Landwirtschaft ist.“ In Bezug auf den Bio-Anbau haben die Farmer auf alle Fälle genug Ausdauer. Von den 467 Mitgliedern haben bereits 200 auf Bio umgestellt, die anderen 267 sind im 2. Jahr der Umstellungsphase.

Mit Fairtrade-Kakao in eine vielversprechende Zukunft

Auch der Fairtrade-Gedanke wird von den Mitgliedern positiv aufgenommen, denn mit Fairtrade lassen sich Projekte besser umsetzen. Die Prämiengelder wurden 2019 verwendet für:

  • Möbel für das Kooperativen-Büro
  • Schulmöbel für die Kinder
  • Schreibutensilien und Schulbücher für die Kinder: Insgesamt 525 Kinder in den Dörfern profitieren so von der FLO-Prämie.
  • Schulgebühren werden auch z.T. mit der FLO-Prämie bezahlt-
  • Neue Kakaopflanzen
  • Rückzahlung der Zertifizierungskosten an gebana Togo
  • Anschaffung neuer Sprayflaschen, die ausschließlich für den Bio-Anbau eingesetzt werden.
  • Bewusstseins- und Aufklärungskampagne für die Farmer
  • Jedes Mitglied bekommt ein T-Shirt mit Bio- und Fairtrade, so wird die Verbundenheit zur Kooperative unterstrichen


Auch hier erfuhren wir, dass die Kooperative von gebana Togo gut unterstützt wird. Die gebana-Techniker beraten die Farmer im Bio-Anbau, beim Bäume schneiden und bei der Kompostierung der Kakaoschoten.

Eine Frau führt das Aufbereitungslager

Über gebana Togo bin ich krankenversichert und es gibt einen Rentenfonds.Angèle Gnimle

Eine der Mitarbeiterinnen ist Angèle Gnimle. Sie ist mit erst 27 Jahren die Leiterin des Aufbereitungslagers von gebana Togo in Badou. Seit September 2018 arbeitet sie hier. Sie lebt gerne in Badou und mag ihre Arbeit sehr. Besonders froh ist sie über die Festanstellung bei gebana Togo, denn das ist „schon etwas Besonderes“. Mit wenigen Vorkenntnissen bekam sie die Chance, bei IPKA als Managerin des Aufbereitungslagers anzufangen. Während ihrer Ausbildung auf der Landwirtschaftsschule hat sie viel über den Anbau von Kaffee und Kakao gelernt und ist stolz, dass sie ihre Kenntnisse jetzt in der Praxis anwenden kann.

Strenge Qualitätskontrolle

Wie im Lager in Kpalimé wird auch hier in Badou der Kakao nochmals nachgetrocknet, bis er nur noch wenig Restfeuchte enthält. Im Anschluss werden zu kleine Bohnen, Schalenreste und Bruchstücke ausgesiebt. Von Insekten angegriffene Bohnen und Fremdpartikel werden aussortiert. Dies alles geschieht händisch und wird hauptsächlich von Frauen verrichtet. Die Frauen sorgen dafür, dass der Kakao eine super Qualität hat, bevor er abgesackt wird und exportfertig ist. Dann geht’s weiter nach Lomé auf das Containerschiff.

 

Abschied und Rückflug

Bevor wir aufbrachen, wurden wir noch mit Orangen und Kokosnussmilch versorgt und herzlich verabschiedet. Dann brachte uns der Fahrer zurück nach Lomé – an die Geschwindigkeit hatten wir uns ja mittlerweile gewöhnen müssen, trotzdem gab es immer wieder spannende Momente, als uns z.B. ein Riesen-Laster, der dreistöckig beladen war, in einem Affenzahn entgegenkam- Ohne die geringsten Anstalten zu machen, eventuell zu bremsen, hatten wir es den routinierten Fahrkenntnissen gepaart mit guter Reaktionsgeschwindigkeit unseres Chauffeurs zu verdanken, dass es keinen Zusammenstoß gab.

Wir kamen wohlbehalten im gebana Togo-Büro in Lomé an, um das Abschlussgespräch zu führen. Silvia konnte während der kurzen Zeit die nächste Kakaolieferung festzurren und wir freuen uns schon auf die ersten GEPA-Schokoladen mit fairem Bio-Kakao aus Togo. Am Flughafen gab es unser letztes togolesisches Bier – zumindest das letzte für dieses Mal. Etwas erschlagen, aber voll mit Eindrücken, positiven Begegnungen, Zahlen und Informationen beschlossen wir, beim nächsten Mal etwas länger in Togo zu bleiben – es lohnt sich.

 

Für den Hintergrund

Länderinfo Togo

Hauptstadt und Regierungssitz ist die Hafenstadt Lomé. Togo ist lang und schmal. Den Süden des Landes begrenzt der Atlantik. Man nennt die Meeresbucht hier den Golf von Guinea. Die Küste von Togo ist nur 52 Kilometer lang.

Die Grenze im Westen führt nach Ghana, im Norden geht es nach Burkina Faso, im Osten nach Benin. Togo gehört zu den kleinsten Ländern Afrikas. Von Nord nach Süd fährt man 550 Kilometer, von West nach Ost an manchen Stellen nur 50 Kilometer, an anderen 140 Kilometer. 25 Prozent der Landfläche ist Ackerland und ca. 16 Prozent bewaldet. Die Kakaoanbauregionen liegen nahe der ghanaischen Grenze. In den letzten Jahren hatte Togo stabile wirtschaftliche Wachstumsraten, die Landwirtschaft stellt dabei einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Noch immer leben in Togo knapp 50% der Bevölkerung in extremer Armut.

Die Einwohner von Togo heißen offiziell Togoer, allerdings wird bei uns häufiger der Begriff Togolese verwendet. Mit etwa 50 verschiedenen Völkern ist Togo ein Vielvölkerstaat. Den größten Anteil an der Bevölkerung hat dabei das Volk der Ewe (ca. 40 Prozent), die vor allem im Süden leben. Ewe ist auch eine der über 50 Sprachen, die in Togo gesprochen werden. Auch darüber staune ich, dass in einem derart kleinen Land überhaupt so viele Sprachen gesprochen werden und die Rede ist nicht von Dialekten. Vor allem wenn ich mir vorstelle, dass Deutschland ca. sechs (!) Mal größer ist als Togo und wir gerade mal eine Sprache sprechen.

Togo war bis 1916 eine deutsche Kolonie und damals noch etwas größer als heute. Der Westteil wurde dann britisch und schloss sich Ghana an, der Ostteil wurde französische Kolonie und 1955 unabhängig. Bis 2005 wurde Togo vom autokratisch regierenden Präsidenten Gnassingbé Eyadéma regiert. Nach dessen Tod 2005 wurde sein Sohn Faure Gnassingbé Präsident.

Struktur und Besonderheiten von gebana Togo

Die Schweizer Firma gebana AG ist vielen ein Begriff als Anbieter von fair gehandeltem Frischobst. Eine ihrer Tochterfirmen ist gebana Togo, vergleichbar mit einer GmbH. Derzeit arbeitet gebana Togo mit den beiden Kooperativen Scoops Procab und Scoops IKPA zusammen. Die dritte Kooperative, KEKELI, hat die FLO-Zertifizierung bereits beantragt.

Anders und vielversprechend
Auch im Fairen Handel gibt es nicht nur schwarz und weiß und manche Abläufe sind selbst „alten Fair-Handels-Hasen“ erst mal fremd und neu. Eine seit Jahrzehnten etablierte und funktionierende Genossenschaft in Lateinamerika ist nicht vergleichbar mit einem so jungen Unternehmen wie gebana Togo. Fakt ist, dass gebana Togo noch am Anfang steht und sowohl die Bauern als auch die Genossenschaften in vielen Bereichen unterstützt. So zum Beispiel beim Qualitätsmanagement, beim Bio-Anbau oder bei der Fairtrade-Zertifizierung. So hat gebana Togo der Genossenschaft IKPA die Kosten für die FLO-Zertifizierung vorgestreckt.

Im Grunde leistet gebana Togo „typische“ Genossenschaftsaufgaben, wie wir es aus Lateinamerika kennen. Nur dass gebana Togo keine Genossenschaft ist, sondern vielmehr die Genossenschaften tat- und finanzkräftig unterstützt, damit sie in absehbarer Zukunft „auf eigenen Beinen“ stehen können.

Am Ende der Reise steht für uns fest: Anders muss nicht schlechter sein und wer, wenn nicht die GEPA sollte innovative Projekte mit Pioniercharakter unterstützen. Schließlich ist und war auch die GEPA in vielen Bereichen Pionier.



Stand 11/2019

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Schokofilm

Von der Bohne bis zur Tafel fair

Wo kommt Kakao her? Und wie wird daraus eine Fair Trade-Schokolade der GEPA? Im Schokofilm erfahren Sie es!

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing