Zahlen & Fakten zum Fairen Handel in Deutschland

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing

Fair Trade weiter im Aufwind –
Forderungen an Politik

Der Faire Handel setzt seinen Wachstumskurs fort: Insgesamt haben Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland 2017 fast 1,5 Milliarden Euro für Fair Trade- Produkte ausgegeben, vor allem für Lebensmittel. Das entspricht einem Wachstum von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.  Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Umsatz im Fairen Handel verfünffacht.

Immer mehr Menschen kaufen fair ein und auch die Pro-Kopf-Ausgaben sind gestiegen: So haben bewusste Konsumentinnen und Konsumenten in 2017 durchschnittlich gut 18 Euro pro Kopf für faire Produkte ausgegeben. Diese Zahlen gab das Forum Fairer Handel – in dem auch die GEPA Mitglied ist  – in seiner Jahrespressekonferenz am 17.07.2018 bekannt.

In seiner aktuellen Umfrage ermittelte das Forum Fairer Handel außerdem, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher auch seinen politischen Forderungen zustimmen.

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Fairer Handel wächst – aber Produzenten benötigen noch mehr Unterstützung

„Es gilt weiterhin, noch stärker gegen die Ursachen des ungerechten Welthandels zu wirken.“ — Andrea Fütterer

Es gelte jedoch weiterhin, noch stärker gegen die Ursachen des ungerechten Welthandels zu wirken: „So benötigen Kaffeebäuer*innen angesichts von sinkenden realen Einkommen und den Folgen des Klimawandels mehr Unterstützung – durch fairen Konsum, aber auch durch gesetzliche Regelungen“, betont Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel und Leiterin der GEPA-Abteilung Grundsatz und Politik.

Bedrohung durch Klimawandel: Kaffee im Fokus

Spitzenreiter unter den Fair Trade-Produkten ist weiterhin Kaffee mit einem Anteil von 34 Prozent am Gesamtumsatz des Fairen Handels. Gemessen am Gesamtabsatz von Röstkaffee in Deutschland liegt der Marktanteil von fair gehandeltem Kaffee jedoch nur bei knapp 5 Prozent.

Kaffeeproduzenten, zumeist Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, sind besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Unberechenbare Niederschläge erschweren den Anbau und sorgen für kleinere Ernten. Trotz sinkender realer Einkommen müssen sie dringende Investitionen in die Zukunft schultern, um für sich und ihre Familien eine Perspektive im Kaffeeanbau zu behalten. Der Faire Handel spielt eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel und dessen Bekämpfung. Die GEPA fördert z. B. klimafreundliche Produktionsweisen bei ihren Partnern und berät sie beim Aufbau nachhaltiger Anbaumethoden.

Durch den Klimawandel gibt es in Kaffeeanbauregionen von Honduras bereits jetzt Ernteausfälle von 60 bis 70 Prozent. Betroffen sind auch GEPA-Handelspartner wie die Mitglieder der Genossenschaft RAOS. Auch Krankheiten, die die Kaffeepflanzen befallen, werden begünstigt. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing
Durch den Klimawandel gibt es in Kaffeeanbauregionen von Honduras bereits jetzt Ernteausfälle von 60 bis 70 Prozent. Betroffen sind auch GEPA-Handelspartner wie die Mitglieder der Genossenschaft RAOS. Auch Krankheiten, die die Kaffeepflanzen befallen, werden begünstigt. Foto: GEPA - The Fair Trade Company/A. Welsing

„Es muss dringend in nachhaltigen Kaffee-Anbau investiert werden und mehr Geld bei den Produzenten ankommen.“ — Andrea Fütterer

„Für die meisten von uns gehört die Tasse Kaffee am Morgen zum Alltag. Wenn das so bleiben soll, muss dringend in einen nachhaltigen Anbau investiert werden und mehr Geld bei den Erzeuger*innen ankommen“, sagte Andrea Fütterer im Rahmen der Pressekonferenz des Forum Fairer Handel. Wie stark der Klimawandel unsere GEPA-Handelspartner weltweit beeinflusst und welche politischen Forderungen sie haben, lesen Sie in unserer Meldung zu unserer Podiumsdiskussion „Climate First“ aus dem Jahr 2017.

Niedrigere Steuern für fairen Kaffee

Eine Möglichkeit, für mehr fairen Kaffee in deutschen Tassen zu sorgen, sind steuerliche Anreize, wie sie Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im April 2018 forderte. Das Forum Fairer Handel begrüßt den Vorstoß des Ministers. „Wir fordern jedoch, dass nur diejenigen Unternehmen steuerlich entlastet werden, die sich zur Einhaltung hoher sozialer Standards, beispielsweise der Zahlung definierter fairer Preise, Vorfinanzierung und einer externen Überprüfung verpflichten“, so Andrea Fütterer.

Menschen- und Arbeitsrechte verbindlich schützen

Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass deutsche Unternehmen Menschenrechte entlang der gesamten Lieferketten durchsetzen: „Dafür ist eine gründliche und nachvollziehbare Überprüfung des Nationalen Aktionsplans 'Wirtschaft und Menschenrechte' zwingend notwendig“, erklärte Andrea Fütterer. Dieser Aktionsplan wurde im Dezember 2016 verabschiedet und sieht u. a. vor, dass bis 2020 mindestens 50 Prozent aller in Deutschland ansässigen Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten menschenrechtliche Sorgfaltspflichten in ihre Unternehmensprozesse integriert haben .

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Politische Forderungen finden viele wichtig

Laut der aktuellen Verbraucherbefragung des Forum Fairer Handel stimmt ein Großteil der Befragten den politischen Forderungen des Forums zu: Am wichtigsten finden sie die Forderung nach mehr Klimagerechtigkeit. Der Forderung „Mehr Einsatz für Klimawandel“ stimmen insgesamt 87 Prozent der Befragten zu. Etwa genauso viele (86 %) begrüßen es, die Marktmacht der großen Einzelhandelsunternehmen zu begrenzen. Weitere Ergebnisse entnehmen Sie der obigen Grafik des Forum Fairer Handel.

Stand 07/2018

WEITERE INFORMATIONEN

Broschüre "Aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel"
als pdf herunterladen

Zahlen und Fakten rund um die GEPA lesen Sie
in der Homepage-Meldung zu unserer Jahrespressekonferenz im Mai 2018

Klimawandel

Climate First!

Sehen Sie hier wie unsere Podiumsdiskussion zum Thema „Climate First: Wie gelingt die öko-faire Wende bis 2030” war.

Foto: GEPA - The Fair Trade Company/C. Nusch

Forderungen

Für einen gerechteren Welthandel

Hier lesen Sie die „Forderungen an die Welthandelspolitik" des Forums Fairer Handel, auch im Hinblick auf TTIP, Ceta & Co. als pdf.

 

 

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