Porträt: Lily P. Argueta und Erasmo P. Castillo

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Vater und Tochter
und ihr Kaffee

Katrien Kloos von unserer niederländischen Partnerorganisation FTO hat in Guatemala verschiedene Untergenossenschaften des Verbandes FEDECOCAGUA besucht – das Jubiläum des "Indio-Kaffees" wird auch in den NIederlanden gefeiert. Gehen Sie mit ihr auf die Reise und lernen Sie unsere Partner besser kennen:

Wir treffen Erasmo, als er bei der Kooperative Il Nuestro Futuro Kaffee abliefert – in einem klassischen, man könnte auch sagen historischen, Jeep-Pick-Up. Der fällt auf. Jeder hier fährt Toyota-Pick-Ups. Die sind auch alt, aber nicht so klassisch.

Erasmo ist stolz auf seinen Oldtimer: „Weißt du, dass er schon 40 Jahre alt ist?“ – Genau so alt wie unsere Beziehung mit den Genossenschaften hier. Vielleicht ist ja unser erster Kleinbauernkaffee mit diesem Wagen transportiert worden…

Kaffeebauer Erasmo steht vor seinem Jeep. Foto: Jeroen Simons
Kaffeebauer Erasmo Palacio Castillo steht vor seinem Jeep.Kaffeebauer Erasmo steht vor seinem Jeep. Foto: Jeroen Simons

Der Manager entpuppt sich als eine Frau von 40 Jahren

Unser Filmteam hat eine Verabredung mit dem Manager der Kooperative, weil wir auf der Suche nach einem Kaffeebauern für ein Interview sind, am liebsten jung, aktiv, und am besten eine Frau. Der Manager stellt sich als Frau von 40 Jahren heraus und der 72-jährige Kaffeebauer mit seinem historischen Jeep ist zufällig ihr Vater. Ein Glückstreffer! Beide möchten beim Interview mitmachen. Sie wohnen nahe der Kooperative, in La Democracia, in einem Haus oberhalb der belebten Durchgangsstraße Richtung Mexiko.


Erasmo hat hinter seinem Haus ein Feld, wo er kleine Kaffeepflänzchen züchtet. Viele sind noch ganz jung. Und einen Trockenboden aus Beton. Die Durchgangsstraße, an der er wohnt, ist ein Hexenkessel mit viel Verkehr. Aber einmal in seinem Haus, kommen wir in nette Zimmer rund um einen schönen Innenhof mit Blumen und Rasen. Auch Lily wohnt hier. Sie ist seine älteste Tochter und seit dem Jahr 2000 Managerin der Genossenschaft Il Nuestro Futuro.

Lily im Büro Foto: FTO
Erasmo züchtet auch Kaffeepflanzen.Lily im Büro Foto: FTO

„Die Männer haben sich an mich gewöhnt“ — Lily Palaciaos Argueta

Lily hat zehn Jahre bei der Genossenschaft als Verwaltungsangestellte gearbeitet. Als der frühere Manager starb, nahm sie seinen Posten ein. „Das ist eine Männerwelt. Sie haben sich an mich gewöhnen können. Innerhalb der Genossenschaft werde ich respektiert als Frau und als Managerin. Und ich respektiere die Männer in der Genossenschaft.“ Bisher hat Lily keine Kinder. „Das hat so seine Vorteile in dieser Funktion. Ich kann meine ganze Aufmerksamkeit der Kooperative geben.“

Eine ihrer Schwestern ist Managerin der örtlichen Bank. Insgesamt haben Erasmo und seine Frau Lucila fünf Kinder: vier Töchter und einen Sohn, zwischen 38 und 48 Jahren alt. Sie alle haben eine gute Ausbildung als Sekretärin oder Buchhalter. Um ihnen das zu ermöglichen, haben die Eltern hart gearbeitet. Zusätzlich zum Kaffeeanbau hat Erasmo zum Beispiel mit seinem Pick-Up-Truck Frachten transportiert.

 

Erasmo mit Kaffeepflanze in der Hand Foto: Jeroen Simons
Erasmo mit Kaffeepflanze in der Hand Foto: Jeroen Simons

„Als Genossenschaft können wir bessere Preisverhandlungen führen.“ — Erasmo Palacio Castillo

Die Kooperative Il Nuestro Futuro ist vor 36 Jahren entstanden, weil 17 Produzenten sich zusammenschlossen, um eine bessere Verhandlungsposition und so einen besseren Preis zu erhalten für ihren Kaffee. Erasmo erklärt: „Wenn man zusammengeschlossen ist, dann kann man bessere Preisverhandlungen führen. Früher waren wir abhängig von den lokalen Aufkäufern, den Coyoten.“

Die Mehrpreise des Fairen Handels haben die Bauern von Il Nuestro Futuro zum Beispiel verwendet, um Büroräume und ein Lager zu bauen. Auch einen Kreditfonds haben sie eingerichtet. So können Mitglieder zinsgünstige Kredite bekommen. Erasmo nennt weitere Vorteile, die er als Mitglied der Genossenschaft hat: „Man bekommt Vorfinanzierung, sodass man in Qualität und Produktivität seines Kaffees investieren kann: Zum Beispiel in die Kaffeesträucher, einen Trockenboden aus Beton, die Nassverarbeitungsanlage. Außerdem lernt man viel über bessere Kaffeeproduktion und Qualität: Von Düngen mit Kompost über Schneiden, Anbau mit Schattenbäumen bis zum Umweltschutz.“

Trucks für den Kaffeetransport zu FEDECOCAGUA Foto: FTO
Trucks für den Kaffeetransport zu FEDECOCAGUA Foto: FTO

 

Immer auf dem Laufenden

Auch die Kaffeebauern verfügen über moderne Kommunikationsmittel wie Mobiltelefon und Computer. Erasmo: „Früher wusste man wenig, jetzt bin ich immer auf dem Laufenden, was Marktpreis und Qualitätsaspekte angeht. Die Kommunikation ist viel besser als früher.“

Sorgen macht er sich über die Roya Schimmelpilz-Krankheit: „Die Produktion von Kaffee wird dieses Jahr gut in den Keller gehen. Ganz Mittel-Amerika wird in diesem Jahr heimgesucht durch diese Schimmelpilzkrankheit, die die Kaffeepflanzen schädigt – es ist eine nationale Katastrophe.“ Um Roya zu bekämpfen haben sie unter anderem Gelder aus dem Fairen Handel investiert. Aber er ist sich sicher: „So lange es einen Markt für Kaffee gibt haben meine Kinder eine sichere Zukunft.“

Und stolz sagt er: „Mit 40 Jahren Erfahrung weiß ich, wie man den besten Qualitätskaffee anbaut. Und Kaffee aus Guatemala ist einer der besten Kaffees der Welt!“

Fotos (von oben): Header, 1 und 3: Jeroen Simons, Fotos 2 und 4: FTO

Stand 02/2013

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