Faire Teeproduktion: Blick in die Zukunft

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Reiseblog von
Thomas Rensmann

Thomas RensmannIm August 2015 hatte ich die Gelegenheit, den GEPA-Teepartner TPI in Indien zu besuchen. Im fünften und letzten Teil meines Reiseblogs geht es um die Perspektiven für die Teeproduktion und für Samabeong für die Zukunft. Mehr über mich und meine Reise erfahren Sie hier

 

Optimistisch trotz Herausforderungen

Wie sieht die Zukunft in der Teeproduktion aus? Dies war eine der Fragen, die mich während meiner Reise am meisten beschäftigt hat. Wie wird man die nächste Generation davon überzeugen können, in den Bergen zu arbeiten und nicht in die Städte abzuwandern? 

Samabeong hat sich in den vergangenen Jahren so rasant entwickelt, doch steht auch wieder vor neuen Herausforderungen.Dabei wird die GEPA ihren langjährigen Partner auch in Zukunft begleiten. 

Ich kann natürlich nicht in die Zukunft sehen. Doch in meiner Zeit in den Teegärten habe ich einen Einblick in den Alltag der Arbeiter bekommen, der mich optimistisch stimmt. 

Samabeong bei Sonnenschein – als ich dort war hat es zwar die meiste Zeit geregnet, aber dennoch gibt es genug Gründe, um optimistisch in die Zukunft zu blicken. Foto: Misereor/M. Kaufung
Samabeong bei Sonnenschein – als ich dort war hat es zwar die meiste Zeit geregnet, aber dennoch gibt es genug Gründe, um optimistisch in die Zukunft zu blicken. Foto: Misereor/M. Kaufung

Anders als andere Teegärten

„Ich versuche, den Arbeitern meine Anerkennung für ihre harte Arbeit zu geben.“ — Nirdesh Tamang

Die Schönheit der Berge, die unendlichen Felder mit Tee, das Dröhnen der alten Maschinen in der Fabrik und die hart arbeitenden Menschen: Äußerlich ist es ein normaler Teegarten in Darjeeling. Trotzdem ist Samabeong anders. Was Samabeong besonders macht, ist die Lebensfreude, die man spüren kann. 

Die Menschen in Samabeong strahlen diese Lebensfreude in einer besonderen Weise aus. Assistant Manager Nirdesh Tamang geht gerne durch die Felder und spricht mit den Arbeitern. „Trotz ihrer täglichen harten Arbeit und des schwierigen Alltags sind die Menschen glücklich. Obwohl ich erst 25 Jahre alt bin, respektieren mich alle Arbeiter, da sie die guten Arbeitsbedingungen zu schätzen wissen. Ich versuche, den Arbeitern meine Anerkennung für ihre harte Arbeit zu geben“, sagt der junge Manager. Diese Generation von Arbeitern hat noch erlebt, wie das Leben 30 Jahre vorher war. Gesichertes Einkommen, medizinische Versorgung, Bildung, Strom etc. – davon waren die Menschen zu der Zeit weit entfernt.

Assistant Manager Nirdesh Tamang schreibt hier gerade auf, wie viele Kilogramm Blätter Tee die Pflückerinnen zur Waage gebracht haben. Foto: Thomas Rensmann
Assistant Manager Nirdesh Tamang schreibt hier gerade auf, wie viele Kilogramm Blätter Tee die Pflückerinnen zur Waage gebracht haben. Foto: Thomas Rensmann

Schule mit Zukunft

„Die Schule wurde an die Regierung übergeben – ein wichtiger Schritt.“ — Thomas Rensmann

Besonders stolz sind die Bewohner auf die Bildungsmöglichkeiten, die sie ihren Kindern bieten können, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Denn es war die Entscheidung der Gemeinschaft, die ersten ausgezahlten Prämien nicht für individuelle Anliegen zu verwenden, sondern in Projekte, wie die Schule zu investieren, die sich erst in der Zukunft auszahlen würden. 

Diese Schule wurde im April 2015, nach fast 20 Jahren, an die Regierung übergeben. Jetzt ist die Verwaltung der Schule und die Bezahlung der Lehrer Aufgabe des Staates. Nach dem Aufbau der Strukturen ein wichtiger Schritt, um dieses Projekt zukunftsfähig zu machen. Die ehemaligen Kinder von Samabeong sind Absolventen der „Brij Mohan High School“, haben teilweise ihren Universitätsabschluss in der Tasche und können durch ihr Einkommen auch ihre Familie in den Bergen unterstützen.

Neues „Homestay“: Gäste sind willkommen!

Sie möchten Samabeong selbst besuchen? Ein aktuelles Projekt in Samabeong ist die neue Touristenunterkunft „The Last Mile”. Seit 1. Januar 2016 können Besucherinnen und Besucher dort Übernachtungen buchen. Sie ist unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit auch ein besonderes Projekt: Ziel ist es, der Gemeinschaft ein regelmäßiges Einkommen zu ermöglichen. Die Einkünfte sollen, wie die Fair Trade-Prämie, für die Gemeinschaft genutzt werden. Außerdem schafft TPI hier Arbeitsplätze für diejenigen, die nicht im Teegarten angestellt sind, z. B. Köche, Fahrer und Hausmädchen.

„Homestay“ statt Hotel: Impressionen der neuen Touristenunterkunft sehen Sie in der Bildergalerie:

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„Leckere Gerichte aus lokalen Zutaten, liebevolle Einrichtung – ich bin sicher, es wird ein Erfolg!“ — Thomas Rensmann

Es ist gelungen, einen alten britischen Bungalow in eine gemütliche Unterkunft zu verwandeln. Bewusst hat man sich gegen ein Hotel und für ein „Homestay“, also eine Art Pension, entschieden, um den Besucherinnen und Besuchern zwar ein komfortables Zimmer, aber dennoch ein authentisches Erlebnis zu bieten.

Die Gäste können frisch zubereitete traditionelle indische Gerichte mit Zutaten aus lokalem Anbau genießen und natürlich gibt es Bio-Tee aus Samabeong. Touristen sollen bei Ihrer Indienreise einerseits zur Ruhe kommen und sich an der Schönheit der Natur erfreuen können, andererseits auch bei Führungen durch Fabrik und Feldern mehr über die Produktion von Bio-Tee erfahren. 

Als erster Gast durfte ich Ratschläge geben und bei den letzten Handgriffen mithelfen. Zusammen mit den Teegarten-Managern haben wir noch letzte Bilder an die Wand gehängt und Möbel zurechtgerückt. Die großen Fenster, die offene Feuerstelle im großen Esszimmer und die liebevolle Einrichtung wirken sehr einladend.  Deshalb bin ich mir sicher, dass auch dieses Projekt für Samabeong ein Erfolg wird.

Weitere Infos über die Touristenunterkunft „The Last Mile“ finden Sie auf http://www.ourlastmile.com – unter „Reservations” können Sie Ihre Buchungsanfrage an TPI senden.

Die Familie Mohan

Der Familie Mohan ist eine Balance zwischen ökonomischem Fortschritt und sozialem Engagement gelungen, von der alle Beteiligten profitieren. Binod ist zurzeit Geschäftsführer von TPI, sein inzwischen verstorbener Vater Brij hat das Unternehmen gegründet. 

Sein Sohn Gautam wirkt im Auftreten auf mich dynamisch und voller Tatendrang. Er ist noch keine 30 Jahre alt, ging in Singapur zur Schule, hat in London studiert und in New York gearbeitet. Doch trotz der ihm damit offenstehenden Möglichkeiten hat er sich entschlossen, das Familienunternehmen weiterzuführen. 

Gautam hat mir gesagt, dass ihm in seinen vorherigen Jobs der direkte Bezug zu den Menschen gefehlt habe. Bei TPI könne er dagegen im Familienunternehmen sein Wissen über Entwicklung und Landwirtschaft kombinieren, um dem Menschen zu helfen. 

Welche Bedeutung die Zusammenarbeit mit der GEPA für TPI hat, erklärt Gautam Mohan in seinem Videostatement:

Erfolgsfaktor Wertschätzung

„Für mich liegt der Erfolg von TPI im Umgang mit den Mitarbeitern.“ — Thomas Rensmann

Für mich liegt der Erfolg des Unternehmens in dem Umgang mit den Mitarbeitern. Die TPI-Zentrale liegt zwar in Kalkutta und Binod und Gautam haben nur bei ihren Reisen nach Darjeeling Kontakt zu den über tausend Angestellten; dennoch wissen diese zu schätzen, was TPI für alle Arbeiterinnen und Arbeiter tut. 

Ich habe den Eindruck bekommen, dass den Menschen nicht der Lohn am wichtigsten ist. Wichtiger sind die höhere Lebensqualität durch Altersvorsorge, Krankenverpflegung und die Sicherheit, dass TPI im Notfall hilft. Doch darüber hinaus hat mich die Wertschätzung der Arbeit beeindruckt, die allen Mitarbeitern des Unternehmens vermittelt wird. Das ist es, was das das Unternehmen meiner Meinung nach erfolgreich macht.

TPI, GEPA und die Menschen von Samabeong haben gemeinsam viel erreicht – doch für die Zukunft bleibt noch eine Menge zu tun.

Stand 10/2015

ÜBERSICHT

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Reisen

Ihr Urlaub auf Samabeong

Genug gelesen? Machen Sie sich selbst auf die Reise zu unserem Bio-Teepartner nach Indien. Hier geht's zur Website von TPI.

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