Pressemitteilung

Bäuerliche Landwirtschaft der Zukunft: Konsum und Anbau gemeinsam denken

Dialog mit Kaffeeproduzent*innen, GEPA, Informationsbüro Nicaragua und Forum Soziale Innovation (FSI) im Rahmen der Fairen Woche

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Gruppenfoto mit neun Personen vor dem GEPA-Store
Gruppenfoto vier Personen im GEPA-Kaffeelabor halten Löffel mit Kaffee darauf in der Hand
Silvia Gonzalez verkostet Kaffee

Wuppertal. Wie kann Kaffee auch in Zeiten der Klimakrise fair und biologisch angebaut werden? Und was brauchen Kleinbäuer*innen, um der nächsten Generation Chancen zu bieten? Anlässlich der bundesweiten Fairen Woche haben Mitglieder von Kaffeegenossenschaften aus Nicaragua mit Verbraucher*innen und Weltladen-Aktiven angeregt über „Bäuerliche Landwirtschaft der Zukunft – Perspektiven in Mittelamerika“ diskutiert.

Die Dialogveranstaltung war eine Kooperation von GEPA, Informationsbüro Nicaragua und Forum für soziale Innovation (FSI). Im Fokus standen die Erfahrungen der langjährigen Partnerorganisationen von MITKA (MITtelamerikanische KAffee Im- und Export GmbH) und GEPA. Auf Initiative des Informationsbüros Nicaragua hat Wuppertal 1987 eine Städtepartnerschaft mit Matagalpa geschlossen. Solingen konnte schon im letzten Jahr auf 40 Jahre Partnerschaft mit Jinotega zurückblicken. Dort hat auch SOPPEXCCA, seit 1998 Partnerkooperative der GEPA, ihren Sitz.

Auf ihrer Rundreise durch Deutschland berichteten Silvia Gonzalez, geschäftsführende Präsidentin der Kooperative Miraflor, Olga Gonzalez Mendez, Kaffeebäuerin und Schatzmeisterin der Kooperative Reynerio Tijerino sowie José Antonio Talavera Herrera, Biokaffeebauer und Mitglied des Aufsichtsrats von UCA SOPPEXCCA, über die Herausforderungen für Kleinbäuer*innen in Nicaragua: Die Klimakrise erschwert den Kaffeeanbau ganz massiv. José Antonio Talavera Herrera fasst es so zusammen: Geringe Blütenanzahl, schlecht entwickelte, also deformierte Kaffeekirschen sowie Pilzkrankheiten seien die Folge. Gleichzeitig reagieren die Kooperativen auf Starkregen, Dürren und Tropenstürme mit vielfältigen Maßnahmen wie Wiederaufforstung über Erneuerung von Kaffeepflanzen sowie Einführung von resistenteren Kaffeesorten bis zu Wasserauffangbecken.

Die Genossenschaften übernehmen Aufgaben, die weit über den reinen Kaffee-Export hinausgehen. Silvia Gonzalez (Agraringenieurin und Präsidentin Miraflor) verwies auf den erheblichen personellen und finanziellen Aufwand für Fairtrade- und Biozertifizierung: „Umso wichtiger ist es, Verbraucher*innen dafür zu sensibilisieren, was Kaffeebäuer*innen alles leisten, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern und gleichzeitig Umwelt und Klima zu schützen.“ José Antonio Talavera Herrera ergänzte: „Wir werden auf jeden Fall weitermachen. Wir brauchen ein Bündnis zwischen Produzent*innen und Konsument*innen.“ Er dankte der Weltladen-Bewegung für ihren Einsatz. Die Genossenschaften setzen auch auf Qualifizierung von jungen Menschen und Frauen. Sie sollen fit gemacht werden, damit sie ihr eigenes Land bewirtschaften, Kaffee weiterverarbeiten und verschiedene Einkommenschancen generieren können.

Als gelerntem und studiertem Landwirt sind GEPA-Geschäftsführer Peter Schaumberger Themen wie Klima- und Handelsgerechtigkeit besonders wichtig. Laut Welternährungsorganisation (FAO) „liegen rund 80 Prozent des weltweiten Kaffeeanbaus in den Händen von Kleinbäuer*innen.“ Doch meistens würden nur die Konzerne wahrgenommen. „GEPA und MITKA versuchen, das zu ändern.” Er betonte auch das Engagement von 900 Weltläden und 30.000 Menschen in dieser Bewegung. „Vielfalt statt Einfalt und gelebte Solidarität statt Abschottung“, so lautet sein Fazit. Wuppertals stellvertretender Bürgermeister Heiner Fragemann betont: „Wuppertal ist seit 2010 Fair-Trade-Town. Denn Globale Gerechtigkeit, Klima und Handel betreffen uns alle. Vielfalt und Perspektivwechsel sind bereichernd. Auf solche Perspektivwechsel freuen wir uns.“
 

Fairer Handel: Investition in Bildung, Gesundheit und Produktivität

Durch Fairen Handel können die drei Kooperativen sowohl in Kaffee als auch in ihre Gemeinden investieren. Sie finanzieren Gesundheit, Bildung, Zertifizierung, Produktivität und Ernährungssicherung. Beispielsweise stellen sie organischen Dünger her und unterstützen ihre Mitglieder bei der Bio- und Fairtrade-Zertifizierung. 

Diversifizierung: Mehr Einkommen und Ernährungssicherheit durch Vielfalt auf den Äckern

Zudem stellen sich die Bäuer*innen breiter auf, indem sie Bohnen und Mais und Gemüse für den Eigenverzehr und Verkauf auf dem lokalen Markt anbauen. Auch Kakaoproduktion ist eine Alternative zu Kaffee, weil dies auf einer niedrigeren Höhe möglich ist. Eine zentrale Rolle spielt Agroforstwirtschaft: Kaffee wächst z.B. gemeinsam mit Zitrusbäumen oder Bananen. Diese Schattenbewirtschaftung schützt den Boden und bietet weitere Ressourcen für Ernährung und Einkommen.

Alltag einer Kaffeebäuerin: Kaffee, Mais und Bohnen auf 3,5 Hektar

Wie bäuerliche Landwirtschaft in Nicaragua konkret aussieht, zeigt das Beispiel von Olga Gonzalez Mendez, Kaffeebäuerin und Schatzmeisterin der Kooperative Reynerio Tijerino. Sie bewirtschaftet rund fünf Manzanas Land, umgerechnet etwa 3,5 Hektar. Neben Kaffee baut sie Mais und Bohnen an. Während der Kaffeeernte beginnt ihr Arbeitstag bereits gegen halb vier Uhr morgens. Gegen sechs Uhr kommen die Tagelöhner*innen, die neben ihrem Lohn auch ein kostenloses Mittagessen erhalten. Die kleine Kooperative Reynerio Tijerino produziert Bio-Kaffee und exportiert einen Container ins Ausland.

Motto Faire Woche 2026: „Fair handeln – Vielfalt erleben“

Unter dem Motto „Fair handeln – Vielfalt erleben“ finden im Zeitraum der bundesweiten Fairen Woche (11. bis 25.09.2026) ca. 1.600 Veranstaltungen unter Schirmherrschaft von Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan statt. Vielfalt ist dabei auch vieldeutig zu verstehen. Der Claim betont Respekt und Engagement für die vielen unterschiedliche Menschen entlang der Lieferkette von Süd bis Nord, aber auch den Erhalt der ökologischen Artenvielfalt in Zeiten der globalen Klimakrise. Die Aktionswoche feiert dieses Jahr 25-jähriges Jubiläum. Veranstalter der Fairen Woche ist das Forum Fairer Handel e.V. (mit GEPA als Mitglied) in Kooperation mit Fairtrade Deutschland e.V. und dem Weltladen-Dachverband e.V.
 

Die GEPA

Als Fair Trade-Pionierin steht die GEPA seit 51 Jahren für Transparenz und Glaubwürdigkeit ihrer Arbeit (Gründungsdatum: 14.05.1975). Sie handelt als größte europäische Fair Handelsorganisation mit Genossenschaften und sozial engagierten Privatbetrieben aus Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa. Durch faire Preise und langfristige Handelsbeziehungen (im Durchschnitt 17,6 Jahre) haben die Partner mehr Planungssicherheit. 
Hinter der GEPA stehen MISEREOR, Brot für die Welt, die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“.

Für ihre Verdienste um den Fairen Handel und die Nachhaltigkeit ist die GEPA vielfach ausgezeichnet worden, z. B. wurde sie als „Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für Unternehmen 2026” in der Branche „Kaffee, Tee und Gewürze“ u.a. für ihre nachhaltigen Lieferketten gewürdigt, Ende 2023 mit dem German SDG-Award Kategorie „Unternehmen“ sowie mit dem „CSR-Preis der Bundesregierung 2020“ in der Kategorie Verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement“.

Als eines von wenigen Unternehmen in Deutschland hat sich die GEPA nach dem Garantiesystem der WFTO prüfen lassen. Näheres zu Preisen und Auszeichnungen sowie zur GEPA allgemein unter www.gepa.de, alle Produkte unter www.gepa-shop.de.

Mitgliedschaften: 

  • World Fair Trade Organization (WFTO)
  • European Fair Trade Association (EFTA)
  • Forum Fairer Handel (FFH)

Informationsbüro Nicaragua

Das Informationsbüro Nicaragua entstand im Dezember 1977, wird also im nächsten Jahr 50 Jahre. Als Koordinierungsstelle der bundesdeutschen Nicaragua-Solidaritätsbewegung unterstützte das Büro die sandinistische Befreiungsbewegung beim Sturz der Somoza-Diktatur und anschließend beim Wiederaufbau des Landes und bei sozial-partizipativen Kampagnen wie Alphabetisierung und Volksgesundheit sowie Agrarreform und Landverteilung. Besonders hervorzuheben die Organisation der internationalen Arbeitsbrigaden mit mehreren Tausend deutschen Aufbauhelfer*innen in der Kaffeeernte und im Häuserbau sowie die Initiierung von etwa 40 Städtepartnerschaften. Auch die Wuppertaler Städtepartnerschaft mit Matagalpa entstand auf Initiative des Informationsbüros Nicaragua. Seit den 1990er Jahren arbeitet das Büro mit Basisinitiativen, kleinbäuerlichen Selbsthilfestrukturen, Frauengruppen und kommunalen Bewegungen in Nicaragua zusammen. Seit dem Aufstand von 2018 unterstützt das Büro die oppositionelle Demokratiebewegung und arbeitet eng mit den nicaraguanischen Migrant*innen in Deutschland zusammen. Seit etwa 15 Jahren führt das Informationsbüro Projekte der machtkritischen Bildungsarbeit im Bergischen Land durch und gibt Werkhefte zum globalen Lernen heraus.

Forum für soziale Innovation gGmbH

Das FSI, Forum für soziale Innovation gGmbH, begleitet gesellschaftliche Veränderungsprozesse und setzt sich für eine global nachhaltige und gerechte Entwicklung ein. Als Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft, Kommunen, Bildungseinrichtungen und weiteren Akteur*innen stärkt das FSI Vernetzung, Wissen, Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement. 
Eine zentrale Rolle übernimmt dabei Sophia Merrem als Eine-Welt-Promotorin für das Bergische Land. Sie macht Engagement für nachhaltige Entwicklung in der Region sichtbar, bringt Akteur*innen zusammen und unterstützt Initiativen, Vereine, Kommunen und Unternehmen dabei, gemeinsam konkrete Handlungsansätze zu entwickeln. Zu ihren Schwerpunkten gehören unter anderem die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs), Fairer Handel, nachhaltige kommunale Entwicklung sowie die Stärkung internationaler Partnerschaften und globaler Verantwortung.
In Wuppertal ist die Eine-Welt-Promotorin auch Teil des Runden Tisches Fairer Handel bzw. der Fairtrade-Town-Steuerungsgruppe und arbeitet in diesem Rahmen eng mit der Stadtverwaltung, Schulen und Zivilgesellschaftlichen Organisationen daran, den Fairen Handel vor Ort strukturell zu verankern.