Fairer Handel: Fördern statt knechten

Welttag gegen Kinderarbeit 2024:
Bildung für Kinder aus Kakaobauern-Familien

Am diesjährigen Welttag gegen Kinderarbeit (12. Juni) feiert die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ein besonderes Jubiläum. Vor 25 Jahren erließ die Sonderorganisation der Vereinten Nationen das „Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit (ILO-Kernarbeitsnorm 182).“

Grund zum Jubeln gibt es trotzdem nicht: Nach wie vor werden Kinder ausgebeutet. Weltweit sind es aktuell 160 Millionen. Davon schuften allein 1,5 Millionen auf Kakaoplantagen in Westafrika, und das oft unter knochenharten, menschenverachtenden Bedingungen, wie die WDR-Doku „Die Story“ Ende März 2024 eindrücklich aufgezeigt hat. Laut WDR sind Eltern aus Mali oder Burkina Faso gezwungen, ihre eigenen Kinder als Sklaven in die Elfenbeinküste zu schicken, da sie sie nicht mehr ernähren können.

COOPROAGRO als Positivbeispiel in WDR-Story

Der größte Unterschied ist, dass wir mit den Kooperativen direkt Handel betreiben.Silvia Kurte, GEPA

Als Positivbeispiel und als Gegenentwurf etwa zur Situation in der Elfenbeinküste hat der WDR für seine Reportage „Die Story“ unseren Partner COOPROAGRO hervorgehoben. Wir freuen uns, dass die wertvolle Arbeit, die unser Kakaopartner hier leistet, so auch in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Ein „Lichtblick“ sei der Bio-Anbau und „die vernünftige Bezahlung der Kaffeefarmer“ in der Dominikanischen Republik. Auch GEPA-Einkaufsmanagerin Silvia Kurte, die im Dezember 2023 noch in der Dominikanischen Republik zu Besuch war, kommt darin zu Wort: „Der größte Unterschied ist, dass wir mit den Kooperativen direkt Handel betreiben, dass wir sie kennen und faire Preise zahlen.“ Diese Transparenz trägt auch dazu bei, das Risiko von ausbeuterischer Kinderarbeit zu minimieren.

Die Sendung mit dem Titel „Die Wahrheit hinter dem Schokohasen“ kann in der ARD-Mediathek  angesehen werden und auch tagesschau.de hat einen Artikel zum Thema veröffentlicht.

Recht auf Bildung: Damit Karriereträume wahr werden

Unsere Mitglieder wissen, wie wichtig Bildung für die Zukunft der Familie ist.Francisco Soto, COOPROAGRO

Was Fairer Handel bei COOPROAGRO für Kinder und Jugendliche bedeutet, zeigt die 16-jährige Arianny, Tochter des Kakaobauern José Arismendy Holguin. Sie besucht die Oberstufe und träumt davon, Wirtschaft zu studieren. Ihr 17-jähriger Cousin Dawil möchte Arzt werden. „Sie sollen studieren“, sagt sein Vater William Holguin. „Das kann man ihnen nicht nehmen“.
Durch die höheren Einnahmen über die GEPA und den Fairen Handel konnte die Kooperative vor ein paar Jahren eine Schule um ein Gebäude und einen Sportplatz erweitern.

Francisco Soto, Kaufmännischer Leiter von COOPROAGRO, hebt in der WDR-Doku die Bedeutung von Bildung hervor: „Unsere Mitglieder wissen, wie wichtig Bildung für das zukünftige Wohlergehen der Familie ist.“

In der Dokumentation wird auch die Krankenstation gezeigt, wo sich alle Mitglieder und ihre Familie kostenfrei behandeln lassen können.

Bildungschancen bei CECAQ-11, São Tomé

Schule ist das Beste für die Kinder.Alda Duarte, CECAQ-11

Im Video oben kommen Mitglieder der Kakaogenossenschaft CECAQ-11 (São Tomé) zu Wort. Sie ist neben COOPROAGRO wichtigster Bio-Kakao-Lieferant der GEPA und bietet Kindern und Jugendlichen Bildungschancen durch Fairen Handel. Alda Duarte ist Kakaobäuerin und verkauft ihre Bohnen ausschließlich an CECAQ-11. Durch dieses Geld können sie und ihr Mann den Lebensunterhalt für die Familie verdienen und z. B. ihrer 14-jährigen Tochter Lucinda eine Schulbildung ermöglichen. „In die Schule zu gehen ist das Beste für die Kinder“, sagt Alda. Lucinda bekräftigt: „Kakao verbessert das Leben meiner Eltern und hilft mir, zur Schule zu gehen.“

Kindergarten als Investition in die Zukunft

Bei CECAQ-11 werden schon die Kleinsten gefördert. Denn aus den Geldern des Fairen Handels der GEPA konnte in der Gemeinde Quimpo ein gut ausgestatteter Kindergarten für Kinder bis fünf Jahren eingerichtet werden. – auch Kinder von Mitgliedern der Gemeinde, die kein eigenes Land besitzen. Leiterin Solange wird von CECAQ-11 bezahlt – so profitieren nicht nur Kakaobäuer*innen vom Fairen Handel: „Ich bin sehr froh, hier mein täglich Brot zu verdienen, die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß!“

Die Bildergalerie zeigt Lucinda Duarte, ihre Eltern sowie Solange und den Kindergarten:


Faire Kakaopreise immer über Weltmarkt-Niveau

Damit Kinder aus Kakaobauern-Familien auch in unsicheren Zeiten einen Halt und bessere Perspektiven haben, zahlt die GEPA ihren Partnergenossenschaften einen Preis, der immer über Weltmarkt-Niveau liegt. Keine Selbstverständlichkeit, denn an der Börse gleicht die Preisentwicklung eher einer Achterbahnfahrt. Mal geht die Kurve nach oben, mal nach unten.

Nie gekanntes Allzeithoch bei Preis von Rohkakao

Mit 8.000 bis 12.000 US-Dollar pro Tonne Kakao erreicht die Börse aktuell (April bis Juni 2024) nie gekannte Höhen aufgrund von Ernte-Einbrüchen etwa in Westafrika sowie von Spekulationen. Wenn der Weltmarktpreis wie jetzt über Fairtrade-Mindestpreis liegt, gilt: Zahlung von Weltmarktpreis zuzüglich einer Fairtrade-Prämie von
240 US-Dollar und einer Bio-Prämie von 300 US-Dollar.

Zum Vergleich: Der langjährige Börsen-Durchschnittspreis lag bis 2023 noch bei unter 3.000 US-Dollar pro Tonne. Deshalb hatte die GEPA im Sommer 2021 einen eigenen Mindestpreis („Kakao-Plus-Preis“) als Absicherung nach unten für ihren Bio-Kakao festgelegt: 3.500 US-Dollar pro Tonne für Kakao exportierende Länder aus Lateinamerika und Ostafrika, 3.100 Euro für westafrikanische Länder, für die der Euro als Leitwährung gilt. Darin sind die von Fairtrade International festgelegten Prämien schon enthalten. Der GEPA-eigene Mindestpreis von 3.500 US-Dollar lag rund 19 Prozent über dem Fairtrade-Mindestpreis (inkl. Prämien) von 2.940 US-Dollar.

Fair konsumieren, Risiken minimieren

Fair kostet nicht die Welt, kann aber die Welt verändern.Peter Schaumberger, GEPA

„Wir haben es alle in der Hand, das Risiko ausbeuterischer Kinderarbeit zu senken“, sagt GEPA-Geschäftsführer Peter Schaumberger. „Fair kostet nicht die Welt, kann aber die Welt verändern. Ein Schokoriegel in bio und fair ist oft nicht teurer als ein vergleichbares Qualitätsprodukt ohne diese beiden Zusatznutzen.“

Auch die Wirtschaft sieht er in der Pflicht: „Industrie und Handel müssen Verantwortung übernehmen, Risiken identifizieren und minimieren – ganz im Sinne des europäischen Lieferkettengesetzes. Höhere Rohkakao-Preise für die Menschen am Anfang der Lieferkette sind nötig – und das sollte es uns allen, Handel, Politik und Verbraucher*innen, wert sein. Die Klimakrise fordert ihren Tribut – und der geht bislang auf Kosten von Menschen im Kakao-Anbau und ihren Kindern. Wir hoffen, dass dies auch langfristig zum Umdenken führt, damit Kinder im Globalen Süden eine Zukunft haben.“
Auf den zentralen Wert "Gerechtigkeit", der dahintersteht, machen wir mit unserer Markenkampagne am Beispiel unserer neuen Schokoriegel aufmerksam: www.gepa.de/dankefuersriegeln


Das leistet Fairer Handel gegen ausbeuterischer Kinderarbeit

Der Faire Handel setzt mit verschiedenen Instrumenten an, Kinderarbeit unnötig zu machen. Dazu gehören:

  • die Zahlung von fairen Preisen bzw. Löhnen für die arbeitenden Eltern
  • langfristige, gesicherte Handelsbeziehungen.
  • das Sensibilisieren der Produzent*innen hinsichtlich einer gesunden Entwicklung ihrer Kinder
  • den Schulbesuch zu ermöglichen, häufig über die Fairtrade-Prämie mitfinanziert.

Passend zum Europäischen Lieferkettengesetz erstellt die GEPA darüber hinaus Risiko-Analysen: So soll die Gefahr von Menschenrechtsverletzungen wie ausbeuterische Kinderarbeit entlang der Lieferkette minimiert werden.  

Stand 06/2024

WEITERE INFORMATIONEN

Reportage für WDR "Die Story" über Kinderarbeit in der Kakaoindustrie
in der Mediathek ansehen

Weitere Infos zu unseren Partnern in unserer Handelspartner-Darstellung:
COOPROAGRO (Dominikanische Republik)

Weitere Infos zu unseren Partnern in unserer Handelspartner-Darstellung:
CECAQ-11 (São Tomé)

#dankefürsriegeln

Wer baut den
Kakao an?

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 | Foto: GEPA - The Fair Trade Company / A. Welsing